Dienstag, 6. Juli 2010

Pro-Ana und die Grenzen der Selbstbestimmung

Magersucht ist eine Krankheit – aber die Pro-Ana-Bewegung sieht das anders. Frederik denkt über die Gefahren dieses Trends nach.

Das Internet, unendliche Weiten. Ich finde es immer wieder faszinierend, was für Absurditäten man im Netz findet. Das reicht von den Menschen, die ihre Katzen dazu erziehen, auf ein Menschenklo zu gehen bis hin zu denen, die Sex mit Möbeln haben. Neben diesen harmlosen Spleens gibt es dann aber auch die dunkle Seite des Webs. Das Kannibalenforum, in dem Armin Meiwes sein späteres Opfer Bernd Brandes traf. Sogenannte Bareback-Seiten, auf denen sich Menschen zum ungeschützten Sex verabreden und dabei bewusst das Risiko einer HIV-Infektion in Kauf nehmen. Und dann gibt es da noch Pro Ana. Hinter diesem unscheinbaren, positiv klingenden Namen verbergen sich Frauen und Männer, die ein neues, extremes Schönheitsideal proklamieren: Kein Gramm Fett darf am Körper sein, einen zu dünnen Menschen gibt es nicht. Das "Ana" in Pro-Ana steht für Anorexia nervosa, also Magersucht. Analog gibt es Pro-Mia-Seiten, wobei "Mia" für die Ess-Brechsucht Bulimia nervosa steht. Wichtigstes Merkmal dieser Bewegungen ist die Verherrlichung von Magersucht und Bulimie. Während diese in unserer Gesellschaft als Krankheiten gelten, behaupten die Pro-Anas und Pro-Mias, dass sie einfach alternative Lebensmodelle darstellen. Auf ihren Websites und in ihren Foren erhalten Gleichgesinnte Tipps: Wie man es schafft, das Essen am besten komplett einzustellen. Wie man dafür sorgt, dass niemand anderes bemerkt, dass man sich mehrmals täglich nach dem Essen übergibt. Wie man seine Zähne am besten pflegt, die stark unter dem täglichen Kontakt mit der aggressiven Magensäure leiden. Die Pro-Anas und -Mias bestärken sich in den Foren auch gegenseitig in ihrem Wahn. Mit Sprüchen wie "Better dead than fat" (lieber tot als fett sein) zeigen sie, wie wenig ihnen ein Menschenleben wert ist. Es wird über die "fetten Säue" mit Kleidergröße 34 gelästert – das erklärte Ziel vieler ist es, die Klamotten von 12-Jährigen tragen zu können. Es ist davon auszugehen, dass jungen Menschen durch Pro-Ana- und Pro-Mia-Websites der Weg in Magersucht und Bulimie erleichtert wird. Während sie früher noch im mühevollen Selbsttest herausfinden mussten, wie sie sich am besten der gerade eingenommenen Nahrung entledigen können, reichen heute ein paar Klicks und man kann auf das gesammelte Hunger- und Kotzwissen von tausenden Gleichgesinnten zurückgreifen. Das Problem bei Pro-Ana, bei Bernd Brandes und den Barebackern ist immer das gleiche: Hat nicht jeder Mensch das Recht, mit seinem Körper anzustellen, was er will? Sollen sich Staat und Gesellschaft in solch private Dinge wie Sexualität und Essverhalten einmischen, wenn man niemandem damit schadet – außer sich selbst? Soll nicht jeder für sich entscheiden, ob er das HI-Virus empfangen möchte, ob er sich von einem anderen Menschen essen lassen oder zu Tode hungern möchte? Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, über das Ende seines Lebens selbst zu entscheiden. Trotzdem muss man suizidale Menschen – und nichts anderes sind Pro-Anas in meinen Augen – in den allermeisten Fällen aufhalten. Wer wegsieht und den Menschen nicht beachtet, der dort auf dem Fenstersims steht und sich das Leben nehmen will, macht sich mitschuldig an dessen Tod. Denn meist handelt es sich dabei nicht um jemanden mit unerträglichen Schmerzen, die durch eine unheilbare Krankheit verursacht werden, sondern um einen Menschen mit lösbaren Problemen. Ein Mensch, der nach ein paar Wochen dankbar sein wird, dass man zu ihm auf den Sims gekrochen ist und ihn vor dem Springen bewahrt hat. Und der durch die Lösung seiner Probleme, vielleicht auch durch Medikamente und Therapie, bald wieder ein Leben führen kann, das ihm lebenswert erscheint.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Mir stinkt’s!

Mia hat ein ganz empfindliches Näschen. Insbesondere, wenn es im Sommer um sie herum immer wieder nach Schweiß riecht. Doch auch wenn der penetrante Geruch zumeist von den Höhlen unter den Achseln herrührt, fordert Mia ihre Mitmenschen auf: Bitte benehmen Sie sich nicht wie Höhlenbewohner, die noch kein Deo kannten, und betreiben Sie aktiv zwischenmenschlichen Klimaschutz!

Mir stinkt’s gewaltig! Egal, wohin mich dieser Tage meine Füße tragen – ich treffe nahezu überall auf Menschen, die nach Schweiß stinken. Morgens in der Frühe sitzen Stinker in Bus und Bahn – und dort trifft man sie auch mittags und abends. Mal sind es junge Leute, mal alte, mal Männer, mal Frauen. Mal sehen die Stinker aus, als kämen sie von der Arbeit, mal, als wären sie auf dem Weg dahin und manchen unterstelle ich einfach, dass sie sowieso immer übel riechen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom 10. Juli letzten Jahres unter rund 21.000 Menschen aus ganz Deutschland in der Altersgruppe ab 14 Jahre gaben 77,5 Prozent an, innerhalb der letzten sieben Tage ein Deo (Spray, Roller, Stift) benutzt zu haben. Das heißt, 22,5 Prozent unserer Mitmenschen setzen auf den natürlichen Körpergeruch. Das ist ja soweit erst einmal auch nicht zu kritisieren. Schließlich sind das nicht alles gewohnheitsmäßige Stinker. Immerhin benutzen 62 Prozent der Deutschen regelmäßig ein Mittel gegen üblen Schweißgeruch, etwa 17 Prozent tun dies noch häufig und neun Prozent zumindest gelegentlich. Fünf Prozent der im Rahmen der Typologie der Wünsche 2006/2007 der Burda Community Network GmbH befragten 19.120 Deutschen ab 14 Jahre desodorieren sich selten und ganze neun Prozent nie. Das heiß, jeder elfte Mitbürger könnte bei mangelnder Körperhygiene zum Stinker werden. Und da kommen wir zum entscheidenden Punkt: zur "Körperhygiene". Fakt ist, dass wir alle Schweiß produzieren – der eine mehr, der andere weniger, im Schnitt ungefähr einen halben Liter täglich. Das ist auch lebensnotwendig, denn das Schwitzen ist bekanntermaßen Teil des ausgeklügelten Kühlsystems unseres Körpers. An sich ist die farblose Flüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht, geruchlos. Erst die unzähligen Bakterien, die den Schweiß auf der Haut zersetzen, verursachen damit den - je nach Mensch auch unterschiedlich unangenehm – riechenden Gestank. Und Fakt ist auch, dass bestimmte Tätigkeiten schweißtreibend sind. Ich habe nichts gegen schweißtreibende Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Sex. Das will ich hier noch einmal ausdrücklich betonen. Mich stört nur, dass ich den Schweiß anderer in der Nase habe, immer und überall. Eine wohl auch schon den Höhlenbewohnern bekannte Maßnahme gegen Schweißgeruch ist das Waschen der Haut mit Wasser. Und diese Reinigung nimmt ein Großteil der Menschen hierzulande auch vor: Dem oben erwähnten Allensbacher Institut antworteten in der genannten Umfrage 86,8 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie in den vergangenen sieben Tagen ein Duschgel benutzt hätten, mit "Ja", 32,3 Prozent bejahten das Benutzen eines Badezusatzes (zum Beispiel Schaumbad, Ölbad, Cremebad) in diesem Zeitraum. Das Duschen ist demnach wohl verbreiteter als das Baden – mir ist es übrigens auch lieber. Ich dusche mindesten einmal am Tag, in der Regel morgens und reibe meinen Körper mit einem milden und zart duftenden Duschgel ab, das ich auf so einen netten Kunststoffpuschel gebe. Insbesondere unter den Achseln massiere ich die Haut besonders gründlich damit. Denn dort ist das Zentrum allen üblen Schweißgeruchs. Außerdem wende ich dort eine andere hilfreiche Technik an, um den schweißzersetzenden Bakterien möglichst wenig Wohnraum zu bieten: Ich rasiere meine Achseln jeden zweiten oder dritten Tag. Und tue damit nicht nur mir einen Gefallen, sondern auch all denen, die das von mir zu erwarten scheinen: Mitte Mai diesen Jahres veröffentlichte das Presseportal.de die Ergebnisse einer Befragung von knapp 2.000 Deutschen zwischen 14 und 39 Jahren zum Thema. Demzufolge sind 69,2 Prozent der Befragten der Meinung, dass Frauen ihre Achseln rasieren sollten. Dafür, dass auch Männer sich der Haare unter den Achseln entledigen sollten, ist dagegen "nur" knapp ein Drittel der Befragten (27,5 Prozent). Klar. Solche Statistiken haben jede Menge Haken. Das liegt in der Natur solcher Erhebungen. Sie pauschalisieren und lassen damit zum Beispiel Menschen außer Acht, die an einer Überproduktion von Schweiß leiden. Ich persönlich glaube jedoch, dass die davon Betroffenen zumeist eine ziemlich penible Hygiene betreiben und nicht zu den Stinkern gehören, die mir täglich die Luft verpesten. Die Statistiken liefern leider auch nicht die Antwort auf meine Frage, warum einige Exemplare des Homo sapiens mir Tag für Tag zumuten, die Ausdünstungen ihres Körpers riechen und sogar einatmen zu müssen. Denn schließlich verdunstet der Schweiß meines Busnachbarn ja so, dass er die Luft um ihn und demzufolge auch um mich herum schwängert. Also ehrlich – ist das nicht eklig? Ich schmecke den Schweiß anderer auf meiner Zunge! Am Preis für Deo, Duschgel & Co. kann es auch nicht liegen – oder? Die Produkte sind doch nun wirklich für jeden von uns erschwinglich. Und an einer mangelhaften Versorgung mit Wasser hapert es hierzulande auch nicht. Und selbst in Ländern, in denen Wasser Mangelware ist – ich weiß das aus eigener Anschauung und persönlichem Erleben in Algerien – ist das kein Grund, seine Mitmenschen mit Schweißgeruch zu belästigen. Und dass es sich um eine Belästigung übelster Art handelt, steht zumindest für mich außer Frage. Dieser Gestank dringt in meinen Lebensraum ein, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen kann – außer mit Gasmaske herumzulaufen. Und die ruiniert mir nun wahrlich mein Aussehen. Ich frage mich jedes Mal, wenn ich notgedrungen auf einen Stinker treffe, ob der Geruch ihn selbst nicht stört. Denn auch wenn unsere Nase ein Gewohnheitsinstrument ist, das nur eine begrenzte Anzahl von Düften in einer bestimmten Zeit verarbeiten kann und sich auch an einen Geruch gewöhnt und diesen dann nicht mehr so stark wahrnimmt, so ist es doch ein hochempfindliches Riechorgan, das genetisch bedingt zwischen Wohlgeruch und Gestank unterscheiden kann. Und selbst, wenn einige Menschen auf diesem Planeten auf die verschiedenen Körpergerüche stehen - derzeit bekennt sich ja die Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" mutig dazu – ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn diese Menschen mir mit ihren Ausdünstungen fern bleiben. Oder empfinden die meinen dezenten Duft nach aufeinander abgestimmten Reinigungs- und Pflegemitteln wie Duschgel, Deo und Bodylotion etwa auch als (Geruchs)Belästigung? Bis bald, Eure Mia Martensen.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Du sollst immer auf den Bart achten, den Du trägst

Diesmal philosophiert Frederik über das Thema Bärte und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen.

Bärte – schon immer übten sie eine sonderbare Faszination auf mich aus. Wie Sie vielleicht schon auf meinem Bild gesehen haben, gehöre ich momentan nicht zur Fraktion der Bartträger. Doch auf theoretischer Ebene beschäftige ich mich sehr gerne mit diesem interessanten Thema. Was bringt einen Mann dazu, plötzlich einzelne Stellen seines Gesichts beim Rasieren auszulassen oder das Rasiermesser gar komplett im Schrank zu lassen, um sich der Gruppe der Vollbartträger anzuschließen? Ich habe da meine ganz eigene Theorie: Männer tragen keine Bärte, weil sie diese schön finden. Sie wollen damit etwas ausdrücken. Mehr noch als mit unserer Kleidung, unserer Körpersprache oder unserer Frisur geben wir mit unseren Bärten ein Statement ab: Darüber, wie wir uns sehen und wie wir von der Welt gesehen werden wollen. Klassisch das Beispiel des ersten Flaums: Eine nicht geringe Zahl von Heranwachsenden lässt die ersten weichen Härchen über ihrer Oberlippe stehen. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie noch nicht wissen, wie man sich rasiert. Vielmehr wollen sie der Welt zeigen: "Seht her, Haare im Gesicht. Bald habe ich Geschlechtsverkehr." Oder der ungestutzte Vollbart, der hauptsächlich unter Theologiestudenten und Marx-Anhängern anzutreffen ist. Diese wollen mit ihrem wallenden, ungepflegt wirkenden Bart zeigen, wie egal ihnen doch die Mode und das Schönheitsdiktat unserer Gesellschaft sind. Der Dreitagebart entlarvt den Möchtegern-Draufgänger, der Ziegenbart den hängengebliebenen Technofreak. Doch manchmal ist die Einschätzung eines Bartträgers nicht so einfach wie in diesen Fällen. Manche Bartformen sind nämlich stärker als andere gewissen Moden unterworfen. Nehmen wir als Beispiel den Schnurrbart. In den 80er-Jahren dank Schnörres-Ikonen wie Tom Selleck oder Burt Reynolds ein Muss für jeden über 18, war er etwa ab Beginn der 90er ein absolutes Tabu. Wer sich zu dieser Zeit mit einer Rotzbremse (so nennen manche Spaßvögel diese Art von Bart) in eine angesagte Berliner oder Hamburger Kneipe wagte, hätte auch gleich seine Unterhose auf dem Kopf tragen können. Der Schnurrbart war ein k.o.-Kriterium, eine einfache Möglichkeit, zivilisierte von unzivilisierten Menschen zu unterscheiden. Das ist anders geworden. Seit einiger Zeit kann man Bärte nämlich auch "ironisch" tragen. Damit ist gemeint, dass jemand einen Tabubruch in Bartform begeht – etwa durch das Tragen eines wuchernden, Günter Grass alle Ehre machenden Schnäuzers –, das aber "mit einem Augenzwinkern". Der ironische Bartträger ist sich darüber bewusst, dass sein Bart eine Beleidigung des aktuellen Mode- und Stilempfindens darstellt und drückt mit den Haaren unter seiner Nase aus: "Ich bin so cool, dass ich sogar einen solchen Bart tragen kann, ohne mich lächerlich zu machen." In den USA sorgte der "Jackass"-Moderator Johnny Knoxville für Aufsehen, als er zu einer Preisverleihung des Senders MTV mit einem Hufeisen-Bart erschien. Dies ist eine besonders scheußliche Bartkreation, die durch den Metallica-Sänger James Hetfield zu trauriger Berühmtheit gelangte: Ein Schnurrbart plus vertikale Bartstreifen neben dem Mund bis zum Kinn. Knoxvilles Karriere nahm durch den Bart keinen Schaden – aber wohl nur, weil das Ganze nicht ernst gemeint war. Hoffen wir, dass uns der Anblick von ironischen Hitlerbärten erspart bleibt. Das rechteckige Mini-Bärtchen ist wohl die letzte Art von Gesichtsbehaarung, mit der man noch provozieren kann. Es sieht nicht nur bescheuert aus, sondern bringt seinen Träger wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit in körperliche Auseinandersetzungen mit Menschen, die das mit dem Bart gar nicht so witzig finden. Und das zu Recht.

Donnerstag, 8. April 2010

Frühling, wo bist du?

Alle sprechen vom Frühling und ich will ihn haben - aber wo ist er? Genug von tristen grauen und regnerischen Tagen. Ich will Sonne auf der Haut spüren und sehen, wie das Leben aus seinem Winterschlaf erwacht. Kalendarisch soll ja bereits Frühling sein, langsam könnte er sich auch mal zeigen.

Ich scheine telepathische Fähigkeiten zu besitzen: Gerade noch befehle ich dem Frühling, sich endlich zu zeigen - schon steht er da. Mein autoritäres Auftreten scheint die Wettergötter stark verunsichert zu haben. Pünktlich zum heutigen Weckerklingeln kitzeln zarte Sonnenstrahlen meine vom Schlaf und von der ewigen Heizungsluft verquollenen Augen. Also es geht doch, triumphiere ich und komischerweise komme ich heute ganz federleicht aus dem Bett. Sehr zum Erstaunen von Amira, meiner Siamkatze. Meinen frühmorgendlichen Energieschub nimmt sie mit einem skeptischen Blick aus ihren blauen Augen zur Kenntnis. Dann wendet sie sich ab und sucht das Weite. Doch als ich einen Blick in den Spiegel werfe, verschwindet meine gute Laune genauso schnell, wie sie gekommen ist. Was die Frühlingssonne, die sich so unverschämt in meinem Spiegel sonnt, zu Tage bringt, gefällt mir gar nicht: Weiße, trockene Haut - ich leuchte richtiggehend - und meine Beine sehen aus, als ob ich blickdichte weiße Feinstrumpfhosen tragen würde. Und wähnte ich gestern meine Wohnung noch als sauber, weist mich das helle freundliche Licht noch so ganz nebenbei auf meine offensichtlichen Putzschwächen hin: Wo kommt plötzlich all dieser Staub her? Das ist zuviel - ich lasse die Jalousien runter und gebe mich lieber wieder der trügerischen Schummrigkeit hin. Ganz nebenbei wische ich über sämtliche Oberflächen und suche verzweifelt nach Peeling und Selbstbräuner. Frisch gepellt, gecremt und zurecht gemacht wandere ich anschließend in die Küche: Doch auch hier tut sich ein wahres Bild des Schreckens auf - zumindest nachdem sich meine Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt haben. Fenster mit Putzstreifen, kleine Fettflecken, die frech an der Wand glänzen und die Bodenfliesen sehen aus, als ob sie noch niemals mit einem Putzlappen in Berührung gekommen wären. Zudem schweift mein Blick über vier leere Schokopudding-Becher und eine halbe Tüte Chips, die gestern Nachmittag noch verschlossen im Schrank stand, - stumme Zeugen eines tristen Winterabends - zumindest gefühlt winterlich. Automatisch bewegen sich meine Augen jetzt in Richtung Problemzonen, die ja eigentlich mit den ersten Sonnenstrahlen nicht mehr existent sein sollten. Auf den ersten Blick sieht alles O.K. aus, der zweite bringt jedoch zum Vorschein, was allein durch die guten Vorsätze nicht verschwunden ist: Geschätzte 2,9 Kilogramm Lebendgewicht, verteilt auf die Körpermitte - zum Glück hinten und vorne gleichermaßen. Jetzt fange ich inständig an zu beten, dass die Außentemperatur nicht auch noch sonnig warm ist und ich mich weiterhin in meiner dicken, alles verhüllenden Jacke aus dem Haus wagen darf. Kurz raus auf den Balkon: Zum Glück, es ist immer noch kalt. Ich überschlage schnell, wieviel Zeit mir bleibt, um mein Fitness- und Schönheits-Frühlingsprogramm zu absolvieren: Mit ein wenig Glück habe ich vielleicht sogar noch vier Wochen, wenn man als Vergleichsjahr nicht unbedingt das nimmt, als schon Ende März Bikini-Temperaturen herrschten. Das könnte klappen und damit ist die Zeit der Ausreden vorbei: Sport ist angesagt - außerdem gibt es ab heute nur noch gesunde und kalorienarme Nahrung. Die halbe Tüte Chips muss also dran glauben und landet im Müll. Das ist zumindest der erste Schritt, um meine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Weiter geht es mit Sport - am besten einem, der nicht so anstrengend ist - zumindest heute, ich bin ja schon geduscht. Nordic Walking ist doch genau das richtige! Man liest ständig, dass man allein durch schnelles Gehen mächtig Kalorien abbaut und dem Herz- und Kreislaufsystem Gutes tut. Außerdem sieht man dabei auch noch gut aus und kann seine dürftige Winterschlaf-Kondition schön vertuschen - im Gegensatz zum Jogging. Gruselig die Vorstellung, keuchend und mit hochrotem Kopf durch die Gegend zu rennen. So, geplant - getan: Während ich jedoch wild entschlossen meine Outdoor-Sportausrüstung zusammensuche, wird es plötzlich dunkel in der Wohnung. Ich blicke aus dem Fenster und sehe dort, wo noch vor ein paar Minuten die Sonne lachte, dicke dunkle Wolken und die Scheiben erscheinen wie durch ein Wunder wieder lupenrein. Jetzt sollte ich mich aber beeilen, denke ich so bei mir, denn es könnte sein, dass der (Schnee)Regen der letzten Wochen wiederkehrt. Gerade als ich meine Jogginghose übergezogen habe (mit Bauch einziehen ist das noch vorzeigbar - ich liebe Kleidung aus mitdenkendem Gewebe!), höre ich ein Plätschern und ein weiterer Blick aus dem Fenster zeigt das altvertraute Bild der letzten Monate: dünne Regenwasserfäden, die einem den Blick vernebeln. Was jetzt? Ich entschließe mich abzuwarten, denn nach Wasser-Walking ist mir gar nicht. Während ich so warte, ertappe ich mich dabei, dass ich mir den Frühling erst ab morgen wünsche, dann könnte ich es mir heute noch einmal richtig gemütlich machen. Ich also rauf aufs Sofa und fange an davon zu träumen, wie Mia dann ab morgen sein wird: sportlich, dynamisch, gesund ernährt - und deshalb auch um 2,9 Kilogramm leichter - mindestens! Mit einem Lächeln im Gesicht schlummere ich ein. Ausgeruht und zufrieden wache ich auf, Amira auf dem Bauch, denn draußen regnet es immer noch. Die Jogginghose verschwindet wieder im Schrank, die Chipstüte fische ich aus dem Müll: Aber ab morgen wird alles anders - falls der Frühling kommen will!'

Dienstag, 16. März 2010

Meine ganz persönliche Twilight-Zone

Ich gebe es zu: Ich bin ein Vampir. Und ich sehe auch aus wie einer: Zumindest jeden Morgen nach dem Aufstehen, ungewaschen, ungeschminkt. Je unausgeschlafener ich aus welchen Gründen auch immer ich bin, desto dunkler sind am darauffolgenden Tag meine Augenringe. Edward, Bella & Co. lassen grüßen, Mia: Willkommen in deiner ganz persönlichen Twilight-Zone!

Ich hatte es seit langem beobachtet und musste zu meinem innigsten Bedauern feststellen, dass sich alle meine Befürchtungen diesbezüglich bewahrheitet haben: Mama hat mir ihre Anlage zu Augenringen vererbt. Allerdings ohne mir ihren kaschierenden, stets leicht sonnengebräunt wirkenden Teint mitzugeben. Nein, ich habe die milchige Haut mit Blaurotstich meines in jugendlichen Jahren schwarzhaarigen Vaters geerbt – und diese in Kombination mit Mamas Augenringen lässt mich allmorgendlich als Vampir auf(er)stehen. Meine Augenringe seien, so meine Kosmetikerin, chronisch, da vererbt, und nicht krankheitsbedingt oder herrührend von einem ungesunden Lebenswandel. Und deshalb muss ich damit wohl oder übel leben. Hah! Das wollte ich nicht glauben.

Auf der Suche nach Mitteln, die Augenringe Morgen für Morgen aufs Neue wieder loszuwerden, habe ich bereits einiges ausprobiert. Zunächst einmal bin ich für eine ganze Weile pünktlich ins Bett gegangen. Das hat viel bewirkt. Augentechnisch gesehen allerdings fast gar nichts. Meine Freunde dachten jedoch, ich sei spurlos verschwunden – wegen des Telefons, des Handys und auch wegen der Türklingel, die ich während dieser Zeit allesamt nicht gehört haben soll. Nun gut, allein ausreichender Schlaf verhalf mir jedenfalls nicht zu einem weniger toten Aussehen. Nur zu weniger Freunden.

Sauerstoff helfe gegen Augenringe, sagen Experten. Also schlief ich einige Wochen bei offenem Fenster und nahm plötzlich ungewollt am regen Leben und Liebesleben meiner Nachbarn teil. Zumindest derer, die wie ich bei geöffnetem Fenster schlafen – schlafen und lieben, schlafen und hassen, schlafen und wieder lieben und wieder hassen. Welche Wirkung das nächtliche Treiben auf das Aussehen meiner Nachbarn hat, kann ich jedoch nicht feststellen, da ich mich ob der nachts vernommenen Geräusche noch bis heute vehement weigere, auch nur in eines der Gesichter meiner Nachbarn zu schauen, wenn ich ihnen im Treppenhaus begegne. Könnte ja sein, dass ich rot werde. Allein ein geöffnetes Fenster des Nachts lässt meine Augenringe also auch nicht verschwinden. Verschwunden sind dafür die letzten Kontakte zu den Nachbarn.

Was wäre denn, wenn ich die Sauerstoffzufuhr erhöhte, fragte ich mich als Nächstes? Schließlich erschien mir die Theorie, dass Augenringe entstehen, weil die klitzekleinen Kapillaren unter den Augen nur sauerstoffarmes Blut (blaues Blut) transportieren, recht schlüssig. Beispielsweise, indem ich mich mehr draußen aufhielte? Aber ehrlich, wann bitte soll ich bei meinem gefüllten Tagesablauf noch munter Frischluft tanken? Der Job lässt mir kaum Freizeit – und falls doch bin ich viel unterwegs, Friseur, Kosmetikerin, professionelle Zahnreinigung, Hand- und Fußpflege, Shoppen. Hinzu kommen die Treffen mit Mama, Freunden und Kollegen. Da fällt mir ein: Eine Gesichtsmassage könnte die Mikrozirkulation in den feinen Kapillaren, die wegen des Sauerstoffmangels bläulich unter der dünnen Haut unterm Auge durchscheinen und so für die Augenringe sorgen sollen, anregen. Aber nein: blöde Idee! Wer schafft es schon, jeden Morgen eine Massage zu machen? Ich jedenfalls nicht.

Auch die Idee, mir jeden Morgen einen grünen Tee zu kochen, um die Teebeutel auf die Augen zu legen, weil die wegen der im Tee enthaltenen Gerbsäure für eine strahlendere Augenpartie sorgen sollen, ging bei mir nach hinten los: Jeden Morgen trank ich den heißen Tee und fragte mich, warum ich die Teebeutel nicht längst in den Müll geworfen hatte. Immer erst in der Sekunde, in der ich dies nachholte, fiel es mir jeden Morgen wieder ein. Ich wollte die erkalteten Säckchen doch auf die Augen legen!

Von den kostenlosen (Schlaf, Sauerstoff) über die leicht bezahlbaren (Teebeutel) kam ich zu den schwer bezahlbaren Mittelchen gegen Augenringe: Gele, Cremes und Wässerchen aus der Kosmetikabteilung meines Vertrauens. Allerdings missbrauchten die ratgebenden Damen dort dieses, mein Vertrauen, schändlich. Ich war am Ende um einiges ärmer, hatte immer noch Augenringe und jede Menge Erfahrung in Sachen unwirksamer Kosmetika gegen Augenringe.

Wie ich heute zu meinen Augenringen stehe? Nun, ich stehe trage sie mit Würde! Ich kaschiere sie notfalls auch schon mal mit Concealer (immer eine Farbnuance heller als die eigene Hautpartie!), den ich mir nach dem Scheitern von Gelen, Cremes & Co. natürlich wieder aus meiner Lieblingsparfümerie geholt habe, ja, ich bekenne mich als echter Fan von Bella Swan und Edward Cullen zu meinem irdischen Vampirdasein und freue mich, dass ich nicht verwandt mit Bellas anderer großer Liebe Jacob Black aus der Twilight-Saga bin: Dann hätte ich jeden Morgen einen Bart im Gesicht! Denn die Blacks sind schließlich fellige Werwölfe.

Bis bald, Eure Mia Martensen.

Dienstag, 9. März 2010

Von Fashionistas und Modeopfern

Frederik macht sich Gedanken über Menschen, die ständig den neuesten Trends folgen. Sind diese Leute einfach nur modebewusst oder haben Sie vielleicht gar keinen eigenen Geschmack?

Was würden Sie über jemanden denken, dessen Musikgeschmack sich ausschließlich nach der Hitparade richtet? Über jemanden, der ein Lied gut findet, sobald es in die Top 100 eintritt, es aber plötzlich verabscheut, wenn es die Charts wieder verlässt? So ein Verhalten mag kein Grund sein, diese Person in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen, aber man möchte mit einem solchen Menschen wohl eher nichts zu tun haben.

"Fashionista" Tanja

Warum ich Ihnen das erzähle? Wegen meiner Freundin Tanja. Ich kenne sie seit fünf Jahren, sie arbeitete damals als Aushilfe in meiner Firma, und seitdem sind wir gut befreundet. Ich mag sie wirklich gerne, aber eine ihrer Eigenschaften nervt mich ganz gewaltig. Vorsichtig könnte man es so ausdrücken: Tanja ist modebewusst. Sie bezeichnet sich selbst als "Fashion Victim", neuerdings hat sie das schreckliche Wort "Fashionista" als Selbstbezeichnung für sich entdeckt. Auf ihren Modetick angesprochen sagt sie nur: "Ich gehe halt mit der Zeit!" Ich hingegen würde sagen: Tanja hat keinen eigenen Geschmack, sondern lässt sich diesen komplett von der "Cosmopolitan" und der "Vogue" diktieren. Vor zwei Jahren trug Tanja noch ganz normale Jeans, bis sie in irgendeiner der fünf Modezeitschriften, die sie abonniert hat, eine ihrer "Stilikonen" (vielleicht war es Gwen Stefani, vielleicht aber auch Victoria Beckham) in engen Röhrenjeans sah. Ich schwöre Ihnen: Hätte man Tanja fünf Minuten vorher gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, Röhrenjeans zu tragen, hätte sie einen für verrückt erklärt. Durch ein einziges Bild in einer Zeitschrift wurden für sie die besagten Hosen jedoch urplötzlich zum modischen Nonplusultra. Dieser Vorgang war und ist Tanja aber keineswegs bewusst. Durch eine bemerkenswerte autosuggestive Leistung glaubt sie wirklich, sie fände Röhrenjeans schön. Wenn Paris Hilton demnächst in Ballonseide fotografiert wird, dauert es wahrscheinlich nur zwei Tage, bis Tanja ihre skinny jeansin die Altkleidersammlung gibt und im lila Trainingsanzug zur Arbeit fährt. Zusammenfassend könnte man sagen: Wenn alle aus dem Fenster springen, hüpft Tanja auch. Sie versucht sogar, zu den ersten zu gehören, die springen. Selbst ihr Männergeschmack ist von ihrem Modetick beeinflusst. Läuft ein Mann nicht rum wie Pete Doherty oder Mika, mit engen Hosen und dünnen Schals, hat er keine Chance bei ihr. Und Männerbeine in hautengen, leggins-artigen Jeans sehen ja nun wirklich nicht schön aus.

Meine Gemeinsamkeiten mit Tanja

Während ich über Tanja und ihre Macken nachdenke, streift mein Blick über mein CD-Regal und schlagartig wird es mir bewusst: Ich bin keinen Deut besser als Tanja. Zwar interessieren mich Trends in der Mode herzlich wenig – ich bevorzuge den klassisch-zeitlosen Stil – aber was Musik angeht, richtete sich mein Geschmack schon immer danach, was gerade angesagt ist. 1995 war ich auf der Loveparade, 2000 beim Splash-Hip-Hop-Festival in Chemnitz, heute abend treffe ich mich mit Tanja auf einer Electro-Party. Hip Hop finde ich mittlerweile ganz schrecklich, und ich verdränge mit Erfolg die Tatsache, dass Jay-Z noch vor wenigen Jahren mein größtes Idol war. Heute beneide ich ihn nur noch um seine Freundin, seine Musik interessiert mich überhaupt nicht mehr. Und bei näherer Überlegung fallen mir noch andere Beispiele dafür ein, dass ich genauso ein Modeopfer bin wie Tanja: Die letzten Sommer verbrachte ich in Hamburger Beachclubs. Vor ein paar Jahren war ich dreimal die Woche auf irgendwelchen After-Work-Parties – heutzutage für mich undenkbar. Aber was soll''s - ich gehe halt mit der Zeit!

Dienstag, 9. Februar 2010

Fasching und Rosenmontag – ohne mich!


Am Montag ist Rosenmontag, aber: Mia hasst Fasching. Und träumt doch heimlich oft davon, Biene Maja zu sein.

Räuberbraut, Indianerhäuptling, Clown, Prinzessin… Nein, halt. Das ist doch die böse Königin, Schneewittchens Stiefmutter. Die alten Schwarzweißfotos sind der Beweis: Ich habe als Kind mitgemacht. Leider erinnere ich mich weder daran, wie ich mich in den Kostümen gefühlt habe, noch an die zugehörigen Feiern. Schade. Mama meinte auf meine prompte telefonische Nachfrage, dass ich dabei immer viel Spaß am Rosenmontag & Co. gehabt hätte. ...so sind sie, unsere Mütter!

Rosenmontag - Büttenreden bleibt mir vom Ohr!

Heute, gut zwanzig Jahre später, bekomme ich schon Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, dass die Narren in diesen Tagen ihre sogenannte Fünfte Jahreszeit feiern. Und total schlecht wird mir, wenn mir aus dem Fernseher fröhliche Büttenreden ins Ohr gebrüllt werden, weil ja senderübergreifend Narrenfreiheit herrscht. Nichts für ungut, liebe Narren – feiert, wie und wann und wo Ihr wollt und gerne auch mit wem Ihr wollt. Aber bitte feiert ohne mich! Verschont mich mit Eurer Ausgelassenheit! Ich hasse Fasching!

Fasching - manche mögen ihn anscheinend?

Paul dagegen liebt das merkwürdige Gebaren der Narren. Er nennt den Faschings-Brauch Faslam, denn so heißt das im Süden – also direkt unterhalb der Elbe, habe ich mir von ihm sagen lassen. Paul nimmt in diesen Tagen fast jede Party mit. Und wenn Sie jetzt denken, er steigt in ein weißes Rüschenhemd wie Johnny Depp alias Piratenkapitän Jack Sparrow oder behängt sich wie Julius Cäsar mit einem weißen Laken, dann liegen Sie falsch! Obwohl Paul in beiden Kostümen sehr gut aussähe, keine Frage! Oder besser: Sie liegen mit Ihrer Vermutung ganz knapp daneben, denn Weiß ist Pauls Kleidung schon. Paul geht zu jeder Veranstaltung als er selbst – als Medizinmann. Also er trägt seine weiße Dienstkleidung, in der ich ihn auch aus der Eppendorfer Uni-Klinik kenne. Zu seinem Glück ist Paul im Dienst – freiwillig und ohne Lohn für seine medizinische Hilfe zu empfangen. Andernfalls würde ich ihm diese in meinen Augen kulturelle Entgleisung nur schwer verzeihen können. Da Paul in meinem Dunstkreis der einzige Faschingsgänger ist, frage ich ihn – aus rein beruflichem Interesse, schließlich muss man ja wissen, was in der Szene so an Farben geschminkt und an Stoffen getragen wird – nach Strich und Faden aus.

Fasching und Rosenmontag an der Elbe

Wenn Paul auspackt – gibt es kein Halten mehr. Er hat trotz Notdienst so einen herrlichen Blick fürs modische Detail, den ich sonst nur von meinen Freundinnen Georg und Franzl kenne. Und die beiden sind vom Fach. Sie sind Designer – und hassen Fasching wie ich. Ich jedenfalls lache Tränen und amüsiere mich prächtig, wenn Paul von Faschingsgetümmel und Faschingsfummel in Hamburg berichtet. Wie praktisch – ich muss zu keiner einzigen Narrenfeier, weiß aber trotzdem Bescheid über die Trends der Faschingsmode. Dank Paul. Man möge mir bitte verzeihen, wenn ich beim Thema Fasching mit Informanten arbeite. Naja, und bei Tageslicht gucke ich mir die Kostüme in Hamburgs ganzjährig geöffnetem Faschingskostümladen FahnenFleck ja auch selbst noch an. Das ist ganz praktisch, denn schließlich ist der Laden in Hamburgs edler Straße Neuer Wall zu finden, wo auch Modelabels wie Jil Sander und Louis Vuitton ansässig sind. Sie fragen jetzt vielleicht: Wer ist Paul? Nun, das ist schnell gesagt: Paul schläft mit Martha, die von der siebten bis zur zwölften Klasse neben mir die Schulbank drückte und heute noch eine enge Lebensgefährtin von mir ist. Paul ist Marthas Mann. Übrigens, Hamburger Jungs un Deerns sind auch in diesem Jahr in klassischen Kostümen wie Seemann und Hexe, Pirat und Katze unterwegs, wenn kein spezielles Faschingsthema vorgegeben ist. Ebenfalls ganz oben auf der Beliebtheitsskala der hanseatischen Närrinen: Pippi Langstrumpf, die Rote Zora und Biene Maja.

Maja möchte gerne die Biene Maja sein - nicht nur zur Faschingszeit

Natürlich wäre ich manchmal auch gerne Biene Maja. Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen: Ja, ganz besonders gerne wäre ich die kleine freche schlaue Biene Maja. Aber das behalte ich schön für mich! Schließlich spiele ich diese Rolle meist im Notfall: Zum Beispiel heute Nachmittag, als ich dieser ach-so-entspannten Chefredakteurin einer Wellness-Zeitschrift gegenüber saß – da bin ich dann plötzlich auch mal Biene Maja, die summend und brummend über dem Kopf der Frau auf und ab fliegt und nach langweiligen 47 Minuten Vorrede seitens der elegant gekleideten und dezent geschminkten Frau gar nicht mehr hörte, dass die Leserinnen unbedingt - ja was sollten die eigentlich demnächst lesen? Aus der Biene-Maja-Perspektive sah ich auf dem Haar der Dame Reste grüner Farbe. Was hatte Paul heute Morgen erzählt? Welche Meerjungfrau (eigentlich sprach Paul von einer "Meerfrau", denn jung war die Lady seiner Ansicht nicht und wie eine Jungfrau verhielt sie sich schon gar nicht, empörte er sich grinsend) hatte er am Rosenmontag nächtens aufgefischt und wie lange brauchte er, um sich aus ihren Fangarmen zu befreien und ihr klar zu machen, er sei nicht Dr. Schiwago verheiratet mit Tonya und außerehelich liiert mit Lara sondern Paul M. und glücklich mit Martha und zudem Mitglied des medizinischen Notfallteams der Party?

Arielle und Dr. Schiwago - kein Traumpaar

Gut gemacht Paul! So ein Fisch gehört zurück ins Wasser und nicht in Marthas heiß geliebtes Wasserbett. Und das ist der Grund, warum ich Fasching nicht mag: Ich könnte nicht ernst bleiben, wenn ich aus eigenem Erleben wüsste, dass mein Gegenüber nachts als Arielle gebettelt hätte, Paul möge ihr die glitzernde Karnevalsschminke vom Busen lecken und jetzt von mir verlangt, eine Story über gesunde Meeresalgen und Schlammbäder zu schreiben. Und vielleicht von all ihrem nächtlichen Liebes-Geblubber gar nichts mehr weiß? Als Freie Journalistin brauche ich nämlich diesen Job und deshalb will ich meine Auftraggeberin ernst nehmen können. Und so beendete ich das Gespräch, bevor ich doch anfing, schmutzig zu grinsen, und sagte mir: Nein, nein. Sie war es nicht. Als ich ihr die Hand zum Abschied schüttelte, zögerte die Chefredakteurin einen Augenblick und fragte dann: "Sind sie gestern nicht die Biene Ma …" Ich unterbrach sie - zugegeben ziemlich unhöflich - und antwortete: "Ich - Biene Maja? Nein, da verwechseln Sie mich. Ich hasse Fasching!"

Dienstag, 19. Januar 2010

Ich bin schön!


Wer hätte das gedacht? Nach nur einer Stunde Arbeit sieht Mia schön aus. Schlicht und einfach schön. Keine müden Augen mehr, keine graue Haut, kein blasser Mund. Ein Wunder ist geschehen.

Wer ist die Schönheit? Wie ich mein Gesicht vor dem Spiegel auch drehe und wende – es sieht einfach schön aus. Die Augen blitzen, die Haut strahlt ebenmäßig, der Mund lächelt frech. Drei Dinge, die ich müde, fleckig und blass in Erinnerung habe. Aber das war heute Morgen - bevor eine Visagistin und eine Kosmetikerin mein Gesicht bearbeiteten: Ja, ich war heute in einem Kosmetikinstitut. Ich wollte einfach mal Fachleute an mein Gesicht lassen. Könnte ich jetzt behaupten. Der wirkliche Grund: Mein verletztes Ego. Es gab bedenkliche Anzeichen, dass ich nicht das richtige Händchen für mein Styling habe: Nicht nur Mama meinte, ich sehe in letzter Zeit immer so müde aus – auch Josefine, meine beste Freundin, bemerkte das kürzlich. Klar, ich arbeite fast ohne Pause. Aber das tun wir doch alle…


Pflegen alleine reicht nicht für die Schönheit
Offensichtlich reicht die aufwendige Gesichtsreinigung und –pflege, die ich allmorgendlich und allabendlich betreibe, nicht: Ich schäume immer ein Mousse auf, massiere es mit einer Gesichtsbürste ein und wasche es ab. Es folgen ein Tonic und eine Creme, alle drei Tage benutze ich ein Serum und regelmäßig eine Feuchtigkeitsmaske – alle Produkte aus der Serie Chanel Précision. Zugegeben, ich habe mir anschließend immer nur eine getönte Tagescreme von Shiseido ins Gesicht geschmiert und die Wimpern getuscht. Das wars auch schon. Eine Stunde Behandlung inklusive Beratung bei den Experten heute hat mich 60 Euro gekostet. Eine Investition, die sich lohnt – wie mein Spiegelbild mir sagt: Ich bin schön!

Da ist so manch eine schonungslos
Dabei war ich zu Beginn der Beratung ziemlich am Boden, schließlich hatten die Expertinnen fast meine gesamte Schminke kurzerhand für nicht typgerecht erklärt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Da urteile ich als studierte Beautyredakteurin tagtäglich über das Aussehen anderer, beschreibe es mit sicherem Auge und treffendem Wort, und bin nicht in der Lage. mir selbst gerecht zu werden? Ich hatte heute echt zu schlucken. Aber dann begannen die Fachfrauen damit, mich wieder aufzubauen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sowohl seelisch als auch kosmetisch – mein Typ wurde klar herausgearbeitet. An meiner Pflege sollte ich nichts ändern, die ist optimal. Meine Haut sei sicher auch deshalb knackig und prall – von Falten kaum eine Spur (Also ist doch nicht alles nur familiär bedingt, Mama!) Aber ein passendes Make-up sei nötig, um die vielen Hautunregelmäßigkeiten zu verdecken. Idealerweise sollte es flüssig und mattierend sein, so würde ich zum einen nicht so glänzen wie eine Speckschwarte und meine vielen kleinen Härchen im Gesicht würden auch nicht mehr so auffallen, versprachen die Expertinnen. Freundlicherweise redeten sie nicht von meinen Pickeln. Die brachte ich selbst zur Sprache. Und als damit geklärt war, dass ich die Wahrheit vertragen kann, ging es zur Sache: Meine Haut sei zwar gut durchblutet, neige deshalb aber zu Rötungen. Dagegen hilft ein Abdeckstift, auch Concealer genannt, der außerdem die Schatten unter den Augen und Pickel zu verdecken vermag, insbesondere wenn er grüne Farbpigmente (Komplementärfarbe zu Rot) enthalte. OK, verstanden, steht schon auf meiner Einkaufsliste. Das Abdecken hatte meine getönte Creme bisher übrigens nicht vermocht.

Balsam für die Seele
Auch wenn es Mut erfordert, sich - zumeist mit geschlossenen Augen - den Händen der Experten anzuvertrauen, die Sache lohnt sich. So eine Kosmetikbehandlung ist Balsam für die Seele. Für jedes (Haut)Problem gibt es schließlich ein passendes Produkt – und am Ende schaut mir mein Gesicht frisch und strahlend aus dem Spiegel entgegen. Meine leicht nach unten gezogenen blau-grauen Augen machten die Fachfrauen zum Blickfang meines neuen Gesichts: Sie wurden mit silbrig-glänzendem und rauchig-dunklem Lidschatten betont, der - unterstützt von einem Hauch Brombeere - dafür sorgt, dass meine Augen nun viel größer und leuchtender wirken. Auch ein wenig Rouge wurde aufgetragen. Und selbst die Lippen bekamen einen Klecks Farbe ab, allerdings im hauteigenen Ton – darauf bestand ich: Mein Mundwerk setzt sich seit jeher von selbst in Szene, es muss nicht hervorgehoben werden. Da meine Augenbrauen in der optimalen Form gezupft waren – mein alltäglicher Einsatz lohnt sich also doch – war mein neues Styling nach einem leicht abgeklopften Pinsel voll losem, farblosen Puder nicht nur fixiert, sonder auch fertig.

Mein Fazit
Die Stunde Zeit und 60 Euro Input bewirken jede Menge Selbstbewusstsein und vor allem eins als Output: Das wunderbare Gefühl - Ich bin schön! Das habe ich gebraucht. Bis bald, Eure Mia.

PS: Mama war begeistert von meinem neuen Styling – ich habe ihr ein Foto (ja sicher doch!) gemailt. Außerdem habe ich ihr meine ganze nicht typgerechte Schminke versprochen.