Mia hat ein ganz empfindliches Näschen. Insbesondere, wenn es im Sommer um sie herum immer wieder nach Schweiß riecht. Doch auch wenn der penetrante Geruch zumeist von den Höhlen unter den Achseln herrührt, fordert Mia ihre Mitmenschen auf: Bitte benehmen Sie sich nicht wie Höhlenbewohner, die noch kein Deo kannten, und betreiben Sie aktiv zwischenmenschlichen Klimaschutz!
Mir stinkt’s gewaltig! Egal, wohin mich dieser Tage meine Füße tragen – ich treffe nahezu überall auf Menschen, die nach Schweiß stinken. Morgens in der Frühe sitzen Stinker in Bus und Bahn – und dort trifft man sie auch mittags und abends. Mal sind es junge Leute, mal alte, mal Männer, mal Frauen. Mal sehen die Stinker aus, als kämen sie von der Arbeit, mal, als wären sie auf dem Weg dahin und manchen unterstelle ich einfach, dass sie sowieso immer übel riechen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom 10. Juli letzten Jahres unter rund 21.000 Menschen aus ganz Deutschland in der Altersgruppe ab 14 Jahre gaben 77,5 Prozent an, innerhalb der letzten sieben Tage ein Deo (Spray, Roller, Stift) benutzt zu haben. Das heißt, 22,5 Prozent unserer Mitmenschen setzen auf den natürlichen Körpergeruch. Das ist ja soweit erst einmal auch nicht zu kritisieren. Schließlich sind das nicht alles gewohnheitsmäßige Stinker. Immerhin benutzen 62 Prozent der Deutschen regelmäßig ein Mittel gegen üblen Schweißgeruch, etwa 17 Prozent tun dies noch häufig und neun Prozent zumindest gelegentlich. Fünf Prozent der im Rahmen der Typologie der Wünsche 2006/2007 der Burda Community Network GmbH befragten 19.120 Deutschen ab 14 Jahre desodorieren sich selten und ganze neun Prozent nie. Das heiß, jeder elfte Mitbürger könnte bei mangelnder Körperhygiene zum Stinker werden. Und da kommen wir zum entscheidenden Punkt: zur "Körperhygiene". Fakt ist, dass wir alle Schweiß produzieren – der eine mehr, der andere weniger, im Schnitt ungefähr einen halben Liter täglich. Das ist auch lebensnotwendig, denn das Schwitzen ist bekanntermaßen Teil des ausgeklügelten Kühlsystems unseres Körpers. An sich ist die farblose Flüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht, geruchlos. Erst die unzähligen Bakterien, die den Schweiß auf der Haut zersetzen, verursachen damit den - je nach Mensch auch unterschiedlich unangenehm – riechenden Gestank. Und Fakt ist auch, dass bestimmte Tätigkeiten schweißtreibend sind. Ich habe nichts gegen schweißtreibende Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Sex. Das will ich hier noch einmal ausdrücklich betonen. Mich stört nur, dass ich den Schweiß anderer in der Nase habe, immer und überall. Eine wohl auch schon den Höhlenbewohnern bekannte Maßnahme gegen Schweißgeruch ist das Waschen der Haut mit Wasser. Und diese Reinigung nimmt ein Großteil der Menschen hierzulande auch vor: Dem oben erwähnten Allensbacher Institut antworteten in der genannten Umfrage 86,8 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie in den vergangenen sieben Tagen ein Duschgel benutzt hätten, mit "Ja", 32,3 Prozent bejahten das Benutzen eines Badezusatzes (zum Beispiel Schaumbad, Ölbad, Cremebad) in diesem Zeitraum. Das Duschen ist demnach wohl verbreiteter als das Baden – mir ist es übrigens auch lieber. Ich dusche mindesten einmal am Tag, in der Regel morgens und reibe meinen Körper mit einem milden und zart duftenden Duschgel ab, das ich auf so einen netten Kunststoffpuschel gebe. Insbesondere unter den Achseln massiere ich die Haut besonders gründlich damit. Denn dort ist das Zentrum allen üblen Schweißgeruchs. Außerdem wende ich dort eine andere hilfreiche Technik an, um den schweißzersetzenden Bakterien möglichst wenig Wohnraum zu bieten: Ich rasiere meine Achseln jeden zweiten oder dritten Tag. Und tue damit nicht nur mir einen Gefallen, sondern auch all denen, die das von mir zu erwarten scheinen: Mitte Mai diesen Jahres veröffentlichte das Presseportal.de die Ergebnisse einer Befragung von knapp 2.000 Deutschen zwischen 14 und 39 Jahren zum Thema. Demzufolge sind 69,2 Prozent der Befragten der Meinung, dass Frauen ihre Achseln rasieren sollten. Dafür, dass auch Männer sich der Haare unter den Achseln entledigen sollten, ist dagegen "nur" knapp ein Drittel der Befragten (27,5 Prozent). Klar. Solche Statistiken haben jede Menge Haken. Das liegt in der Natur solcher Erhebungen. Sie pauschalisieren und lassen damit zum Beispiel Menschen außer Acht, die an einer Überproduktion von Schweiß leiden. Ich persönlich glaube jedoch, dass die davon Betroffenen zumeist eine ziemlich penible Hygiene betreiben und nicht zu den Stinkern gehören, die mir täglich die Luft verpesten. Die Statistiken liefern leider auch nicht die Antwort auf meine Frage, warum einige Exemplare des Homo sapiens mir Tag für Tag zumuten, die Ausdünstungen ihres Körpers riechen und sogar einatmen zu müssen. Denn schließlich verdunstet der Schweiß meines Busnachbarn ja so, dass er die Luft um ihn und demzufolge auch um mich herum schwängert. Also ehrlich – ist das nicht eklig? Ich schmecke den Schweiß anderer auf meiner Zunge! Am Preis für Deo, Duschgel & Co. kann es auch nicht liegen – oder? Die Produkte sind doch nun wirklich für jeden von uns erschwinglich. Und an einer mangelhaften Versorgung mit Wasser hapert es hierzulande auch nicht. Und selbst in Ländern, in denen Wasser Mangelware ist – ich weiß das aus eigener Anschauung und persönlichem Erleben in Algerien – ist das kein Grund, seine Mitmenschen mit Schweißgeruch zu belästigen. Und dass es sich um eine Belästigung übelster Art handelt, steht zumindest für mich außer Frage. Dieser Gestank dringt in meinen Lebensraum ein, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen kann – außer mit Gasmaske herumzulaufen. Und die ruiniert mir nun wahrlich mein Aussehen. Ich frage mich jedes Mal, wenn ich notgedrungen auf einen Stinker treffe, ob der Geruch ihn selbst nicht stört. Denn auch wenn unsere Nase ein Gewohnheitsinstrument ist, das nur eine begrenzte Anzahl von Düften in einer bestimmten Zeit verarbeiten kann und sich auch an einen Geruch gewöhnt und diesen dann nicht mehr so stark wahrnimmt, so ist es doch ein hochempfindliches Riechorgan, das genetisch bedingt zwischen Wohlgeruch und Gestank unterscheiden kann. Und selbst, wenn einige Menschen auf diesem Planeten auf die verschiedenen Körpergerüche stehen - derzeit bekennt sich ja die Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" mutig dazu – ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn diese Menschen mir mit ihren Ausdünstungen fern bleiben. Oder empfinden die meinen dezenten Duft nach aufeinander abgestimmten Reinigungs- und Pflegemitteln wie Duschgel, Deo und Bodylotion etwa auch als (Geruchs)Belästigung? Bis bald, Eure Mia Martensen.
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