Magersucht ist eine Krankheit – aber die Pro-Ana-Bewegung sieht das anders. Frederik denkt über die Gefahren dieses Trends nach.
Das Internet, unendliche Weiten. Ich finde es immer wieder faszinierend, was für Absurditäten man im Netz findet. Das reicht von den Menschen, die ihre Katzen dazu erziehen, auf ein Menschenklo zu gehen bis hin zu denen, die Sex mit Möbeln haben. Neben diesen harmlosen Spleens gibt es dann aber auch die dunkle Seite des Webs. Das Kannibalenforum, in dem Armin Meiwes sein späteres Opfer Bernd Brandes traf. Sogenannte Bareback-Seiten, auf denen sich Menschen zum ungeschützten Sex verabreden und dabei bewusst das Risiko einer HIV-Infektion in Kauf nehmen. Und dann gibt es da noch Pro Ana. Hinter diesem unscheinbaren, positiv klingenden Namen verbergen sich Frauen und Männer, die ein neues, extremes Schönheitsideal proklamieren: Kein Gramm Fett darf am Körper sein, einen zu dünnen Menschen gibt es nicht. Das "Ana" in Pro-Ana steht für Anorexia nervosa, also Magersucht. Analog gibt es Pro-Mia-Seiten, wobei "Mia" für die Ess-Brechsucht Bulimia nervosa steht. Wichtigstes Merkmal dieser Bewegungen ist die Verherrlichung von Magersucht und Bulimie. Während diese in unserer Gesellschaft als Krankheiten gelten, behaupten die Pro-Anas und Pro-Mias, dass sie einfach alternative Lebensmodelle darstellen. Auf ihren Websites und in ihren Foren erhalten Gleichgesinnte Tipps: Wie man es schafft, das Essen am besten komplett einzustellen. Wie man dafür sorgt, dass niemand anderes bemerkt, dass man sich mehrmals täglich nach dem Essen übergibt. Wie man seine Zähne am besten pflegt, die stark unter dem täglichen Kontakt mit der aggressiven Magensäure leiden. Die Pro-Anas und -Mias bestärken sich in den Foren auch gegenseitig in ihrem Wahn. Mit Sprüchen wie "Better dead than fat" (lieber tot als fett sein) zeigen sie, wie wenig ihnen ein Menschenleben wert ist. Es wird über die "fetten Säue" mit Kleidergröße 34 gelästert – das erklärte Ziel vieler ist es, die Klamotten von 12-Jährigen tragen zu können. Es ist davon auszugehen, dass jungen Menschen durch Pro-Ana- und Pro-Mia-Websites der Weg in Magersucht und Bulimie erleichtert wird. Während sie früher noch im mühevollen Selbsttest herausfinden mussten, wie sie sich am besten der gerade eingenommenen Nahrung entledigen können, reichen heute ein paar Klicks und man kann auf das gesammelte Hunger- und Kotzwissen von tausenden Gleichgesinnten zurückgreifen. Das Problem bei Pro-Ana, bei Bernd Brandes und den Barebackern ist immer das gleiche: Hat nicht jeder Mensch das Recht, mit seinem Körper anzustellen, was er will? Sollen sich Staat und Gesellschaft in solch private Dinge wie Sexualität und Essverhalten einmischen, wenn man niemandem damit schadet – außer sich selbst? Soll nicht jeder für sich entscheiden, ob er das HI-Virus empfangen möchte, ob er sich von einem anderen Menschen essen lassen oder zu Tode hungern möchte? Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, über das Ende seines Lebens selbst zu entscheiden. Trotzdem muss man suizidale Menschen – und nichts anderes sind Pro-Anas in meinen Augen – in den allermeisten Fällen aufhalten. Wer wegsieht und den Menschen nicht beachtet, der dort auf dem Fenstersims steht und sich das Leben nehmen will, macht sich mitschuldig an dessen Tod. Denn meist handelt es sich dabei nicht um jemanden mit unerträglichen Schmerzen, die durch eine unheilbare Krankheit verursacht werden, sondern um einen Menschen mit lösbaren Problemen. Ein Mensch, der nach ein paar Wochen dankbar sein wird, dass man zu ihm auf den Sims gekrochen ist und ihn vor dem Springen bewahrt hat. Und der durch die Lösung seiner Probleme, vielleicht auch durch Medikamente und Therapie, bald wieder ein Leben führen kann, das ihm lebenswert erscheint.
Dienstag, 6. Juli 2010
Mittwoch, 9. Juni 2010
Mir stinkt’s!
Mia hat ein ganz empfindliches Näschen. Insbesondere, wenn es im Sommer um sie herum immer wieder nach Schweiß riecht. Doch auch wenn der penetrante Geruch zumeist von den Höhlen unter den Achseln herrührt, fordert Mia ihre Mitmenschen auf: Bitte benehmen Sie sich nicht wie Höhlenbewohner, die noch kein Deo kannten, und betreiben Sie aktiv zwischenmenschlichen Klimaschutz!
Mir stinkt’s gewaltig! Egal, wohin mich dieser Tage meine Füße tragen – ich treffe nahezu überall auf Menschen, die nach Schweiß stinken. Morgens in der Frühe sitzen Stinker in Bus und Bahn – und dort trifft man sie auch mittags und abends. Mal sind es junge Leute, mal alte, mal Männer, mal Frauen. Mal sehen die Stinker aus, als kämen sie von der Arbeit, mal, als wären sie auf dem Weg dahin und manchen unterstelle ich einfach, dass sie sowieso immer übel riechen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom 10. Juli letzten Jahres unter rund 21.000 Menschen aus ganz Deutschland in der Altersgruppe ab 14 Jahre gaben 77,5 Prozent an, innerhalb der letzten sieben Tage ein Deo (Spray, Roller, Stift) benutzt zu haben. Das heißt, 22,5 Prozent unserer Mitmenschen setzen auf den natürlichen Körpergeruch. Das ist ja soweit erst einmal auch nicht zu kritisieren. Schließlich sind das nicht alles gewohnheitsmäßige Stinker. Immerhin benutzen 62 Prozent der Deutschen regelmäßig ein Mittel gegen üblen Schweißgeruch, etwa 17 Prozent tun dies noch häufig und neun Prozent zumindest gelegentlich. Fünf Prozent der im Rahmen der Typologie der Wünsche 2006/2007 der Burda Community Network GmbH befragten 19.120 Deutschen ab 14 Jahre desodorieren sich selten und ganze neun Prozent nie. Das heiß, jeder elfte Mitbürger könnte bei mangelnder Körperhygiene zum Stinker werden. Und da kommen wir zum entscheidenden Punkt: zur "Körperhygiene". Fakt ist, dass wir alle Schweiß produzieren – der eine mehr, der andere weniger, im Schnitt ungefähr einen halben Liter täglich. Das ist auch lebensnotwendig, denn das Schwitzen ist bekanntermaßen Teil des ausgeklügelten Kühlsystems unseres Körpers. An sich ist die farblose Flüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht, geruchlos. Erst die unzähligen Bakterien, die den Schweiß auf der Haut zersetzen, verursachen damit den - je nach Mensch auch unterschiedlich unangenehm – riechenden Gestank. Und Fakt ist auch, dass bestimmte Tätigkeiten schweißtreibend sind. Ich habe nichts gegen schweißtreibende Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Sex. Das will ich hier noch einmal ausdrücklich betonen. Mich stört nur, dass ich den Schweiß anderer in der Nase habe, immer und überall. Eine wohl auch schon den Höhlenbewohnern bekannte Maßnahme gegen Schweißgeruch ist das Waschen der Haut mit Wasser. Und diese Reinigung nimmt ein Großteil der Menschen hierzulande auch vor: Dem oben erwähnten Allensbacher Institut antworteten in der genannten Umfrage 86,8 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie in den vergangenen sieben Tagen ein Duschgel benutzt hätten, mit "Ja", 32,3 Prozent bejahten das Benutzen eines Badezusatzes (zum Beispiel Schaumbad, Ölbad, Cremebad) in diesem Zeitraum. Das Duschen ist demnach wohl verbreiteter als das Baden – mir ist es übrigens auch lieber. Ich dusche mindesten einmal am Tag, in der Regel morgens und reibe meinen Körper mit einem milden und zart duftenden Duschgel ab, das ich auf so einen netten Kunststoffpuschel gebe. Insbesondere unter den Achseln massiere ich die Haut besonders gründlich damit. Denn dort ist das Zentrum allen üblen Schweißgeruchs. Außerdem wende ich dort eine andere hilfreiche Technik an, um den schweißzersetzenden Bakterien möglichst wenig Wohnraum zu bieten: Ich rasiere meine Achseln jeden zweiten oder dritten Tag. Und tue damit nicht nur mir einen Gefallen, sondern auch all denen, die das von mir zu erwarten scheinen: Mitte Mai diesen Jahres veröffentlichte das Presseportal.de die Ergebnisse einer Befragung von knapp 2.000 Deutschen zwischen 14 und 39 Jahren zum Thema. Demzufolge sind 69,2 Prozent der Befragten der Meinung, dass Frauen ihre Achseln rasieren sollten. Dafür, dass auch Männer sich der Haare unter den Achseln entledigen sollten, ist dagegen "nur" knapp ein Drittel der Befragten (27,5 Prozent). Klar. Solche Statistiken haben jede Menge Haken. Das liegt in der Natur solcher Erhebungen. Sie pauschalisieren und lassen damit zum Beispiel Menschen außer Acht, die an einer Überproduktion von Schweiß leiden. Ich persönlich glaube jedoch, dass die davon Betroffenen zumeist eine ziemlich penible Hygiene betreiben und nicht zu den Stinkern gehören, die mir täglich die Luft verpesten. Die Statistiken liefern leider auch nicht die Antwort auf meine Frage, warum einige Exemplare des Homo sapiens mir Tag für Tag zumuten, die Ausdünstungen ihres Körpers riechen und sogar einatmen zu müssen. Denn schließlich verdunstet der Schweiß meines Busnachbarn ja so, dass er die Luft um ihn und demzufolge auch um mich herum schwängert. Also ehrlich – ist das nicht eklig? Ich schmecke den Schweiß anderer auf meiner Zunge! Am Preis für Deo, Duschgel & Co. kann es auch nicht liegen – oder? Die Produkte sind doch nun wirklich für jeden von uns erschwinglich. Und an einer mangelhaften Versorgung mit Wasser hapert es hierzulande auch nicht. Und selbst in Ländern, in denen Wasser Mangelware ist – ich weiß das aus eigener Anschauung und persönlichem Erleben in Algerien – ist das kein Grund, seine Mitmenschen mit Schweißgeruch zu belästigen. Und dass es sich um eine Belästigung übelster Art handelt, steht zumindest für mich außer Frage. Dieser Gestank dringt in meinen Lebensraum ein, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen kann – außer mit Gasmaske herumzulaufen. Und die ruiniert mir nun wahrlich mein Aussehen. Ich frage mich jedes Mal, wenn ich notgedrungen auf einen Stinker treffe, ob der Geruch ihn selbst nicht stört. Denn auch wenn unsere Nase ein Gewohnheitsinstrument ist, das nur eine begrenzte Anzahl von Düften in einer bestimmten Zeit verarbeiten kann und sich auch an einen Geruch gewöhnt und diesen dann nicht mehr so stark wahrnimmt, so ist es doch ein hochempfindliches Riechorgan, das genetisch bedingt zwischen Wohlgeruch und Gestank unterscheiden kann. Und selbst, wenn einige Menschen auf diesem Planeten auf die verschiedenen Körpergerüche stehen - derzeit bekennt sich ja die Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" mutig dazu – ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn diese Menschen mir mit ihren Ausdünstungen fern bleiben. Oder empfinden die meinen dezenten Duft nach aufeinander abgestimmten Reinigungs- und Pflegemitteln wie Duschgel, Deo und Bodylotion etwa auch als (Geruchs)Belästigung? Bis bald, Eure Mia Martensen.
Mir stinkt’s gewaltig! Egal, wohin mich dieser Tage meine Füße tragen – ich treffe nahezu überall auf Menschen, die nach Schweiß stinken. Morgens in der Frühe sitzen Stinker in Bus und Bahn – und dort trifft man sie auch mittags und abends. Mal sind es junge Leute, mal alte, mal Männer, mal Frauen. Mal sehen die Stinker aus, als kämen sie von der Arbeit, mal, als wären sie auf dem Weg dahin und manchen unterstelle ich einfach, dass sie sowieso immer übel riechen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom 10. Juli letzten Jahres unter rund 21.000 Menschen aus ganz Deutschland in der Altersgruppe ab 14 Jahre gaben 77,5 Prozent an, innerhalb der letzten sieben Tage ein Deo (Spray, Roller, Stift) benutzt zu haben. Das heißt, 22,5 Prozent unserer Mitmenschen setzen auf den natürlichen Körpergeruch. Das ist ja soweit erst einmal auch nicht zu kritisieren. Schließlich sind das nicht alles gewohnheitsmäßige Stinker. Immerhin benutzen 62 Prozent der Deutschen regelmäßig ein Mittel gegen üblen Schweißgeruch, etwa 17 Prozent tun dies noch häufig und neun Prozent zumindest gelegentlich. Fünf Prozent der im Rahmen der Typologie der Wünsche 2006/2007 der Burda Community Network GmbH befragten 19.120 Deutschen ab 14 Jahre desodorieren sich selten und ganze neun Prozent nie. Das heiß, jeder elfte Mitbürger könnte bei mangelnder Körperhygiene zum Stinker werden. Und da kommen wir zum entscheidenden Punkt: zur "Körperhygiene". Fakt ist, dass wir alle Schweiß produzieren – der eine mehr, der andere weniger, im Schnitt ungefähr einen halben Liter täglich. Das ist auch lebensnotwendig, denn das Schwitzen ist bekanntermaßen Teil des ausgeklügelten Kühlsystems unseres Körpers. An sich ist die farblose Flüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht, geruchlos. Erst die unzähligen Bakterien, die den Schweiß auf der Haut zersetzen, verursachen damit den - je nach Mensch auch unterschiedlich unangenehm – riechenden Gestank. Und Fakt ist auch, dass bestimmte Tätigkeiten schweißtreibend sind. Ich habe nichts gegen schweißtreibende Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Sex. Das will ich hier noch einmal ausdrücklich betonen. Mich stört nur, dass ich den Schweiß anderer in der Nase habe, immer und überall. Eine wohl auch schon den Höhlenbewohnern bekannte Maßnahme gegen Schweißgeruch ist das Waschen der Haut mit Wasser. Und diese Reinigung nimmt ein Großteil der Menschen hierzulande auch vor: Dem oben erwähnten Allensbacher Institut antworteten in der genannten Umfrage 86,8 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie in den vergangenen sieben Tagen ein Duschgel benutzt hätten, mit "Ja", 32,3 Prozent bejahten das Benutzen eines Badezusatzes (zum Beispiel Schaumbad, Ölbad, Cremebad) in diesem Zeitraum. Das Duschen ist demnach wohl verbreiteter als das Baden – mir ist es übrigens auch lieber. Ich dusche mindesten einmal am Tag, in der Regel morgens und reibe meinen Körper mit einem milden und zart duftenden Duschgel ab, das ich auf so einen netten Kunststoffpuschel gebe. Insbesondere unter den Achseln massiere ich die Haut besonders gründlich damit. Denn dort ist das Zentrum allen üblen Schweißgeruchs. Außerdem wende ich dort eine andere hilfreiche Technik an, um den schweißzersetzenden Bakterien möglichst wenig Wohnraum zu bieten: Ich rasiere meine Achseln jeden zweiten oder dritten Tag. Und tue damit nicht nur mir einen Gefallen, sondern auch all denen, die das von mir zu erwarten scheinen: Mitte Mai diesen Jahres veröffentlichte das Presseportal.de die Ergebnisse einer Befragung von knapp 2.000 Deutschen zwischen 14 und 39 Jahren zum Thema. Demzufolge sind 69,2 Prozent der Befragten der Meinung, dass Frauen ihre Achseln rasieren sollten. Dafür, dass auch Männer sich der Haare unter den Achseln entledigen sollten, ist dagegen "nur" knapp ein Drittel der Befragten (27,5 Prozent). Klar. Solche Statistiken haben jede Menge Haken. Das liegt in der Natur solcher Erhebungen. Sie pauschalisieren und lassen damit zum Beispiel Menschen außer Acht, die an einer Überproduktion von Schweiß leiden. Ich persönlich glaube jedoch, dass die davon Betroffenen zumeist eine ziemlich penible Hygiene betreiben und nicht zu den Stinkern gehören, die mir täglich die Luft verpesten. Die Statistiken liefern leider auch nicht die Antwort auf meine Frage, warum einige Exemplare des Homo sapiens mir Tag für Tag zumuten, die Ausdünstungen ihres Körpers riechen und sogar einatmen zu müssen. Denn schließlich verdunstet der Schweiß meines Busnachbarn ja so, dass er die Luft um ihn und demzufolge auch um mich herum schwängert. Also ehrlich – ist das nicht eklig? Ich schmecke den Schweiß anderer auf meiner Zunge! Am Preis für Deo, Duschgel & Co. kann es auch nicht liegen – oder? Die Produkte sind doch nun wirklich für jeden von uns erschwinglich. Und an einer mangelhaften Versorgung mit Wasser hapert es hierzulande auch nicht. Und selbst in Ländern, in denen Wasser Mangelware ist – ich weiß das aus eigener Anschauung und persönlichem Erleben in Algerien – ist das kein Grund, seine Mitmenschen mit Schweißgeruch zu belästigen. Und dass es sich um eine Belästigung übelster Art handelt, steht zumindest für mich außer Frage. Dieser Gestank dringt in meinen Lebensraum ein, ohne dass ich etwas dagegen unternehmen kann – außer mit Gasmaske herumzulaufen. Und die ruiniert mir nun wahrlich mein Aussehen. Ich frage mich jedes Mal, wenn ich notgedrungen auf einen Stinker treffe, ob der Geruch ihn selbst nicht stört. Denn auch wenn unsere Nase ein Gewohnheitsinstrument ist, das nur eine begrenzte Anzahl von Düften in einer bestimmten Zeit verarbeiten kann und sich auch an einen Geruch gewöhnt und diesen dann nicht mehr so stark wahrnimmt, so ist es doch ein hochempfindliches Riechorgan, das genetisch bedingt zwischen Wohlgeruch und Gestank unterscheiden kann. Und selbst, wenn einige Menschen auf diesem Planeten auf die verschiedenen Körpergerüche stehen - derzeit bekennt sich ja die Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" mutig dazu – ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn diese Menschen mir mit ihren Ausdünstungen fern bleiben. Oder empfinden die meinen dezenten Duft nach aufeinander abgestimmten Reinigungs- und Pflegemitteln wie Duschgel, Deo und Bodylotion etwa auch als (Geruchs)Belästigung? Bis bald, Eure Mia Martensen.
Donnerstag, 6. Mai 2010
Du sollst immer auf den Bart achten, den Du trägst
Diesmal philosophiert Frederik über das Thema Bärte und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen.
Bärte – schon immer übten sie eine sonderbare Faszination auf mich aus. Wie Sie vielleicht schon auf meinem Bild gesehen haben, gehöre ich momentan nicht zur Fraktion der Bartträger. Doch auf theoretischer Ebene beschäftige ich mich sehr gerne mit diesem interessanten Thema. Was bringt einen Mann dazu, plötzlich einzelne Stellen seines Gesichts beim Rasieren auszulassen oder das Rasiermesser gar komplett im Schrank zu lassen, um sich der Gruppe der Vollbartträger anzuschließen? Ich habe da meine ganz eigene Theorie: Männer tragen keine Bärte, weil sie diese schön finden. Sie wollen damit etwas ausdrücken. Mehr noch als mit unserer Kleidung, unserer Körpersprache oder unserer Frisur geben wir mit unseren Bärten ein Statement ab: Darüber, wie wir uns sehen und wie wir von der Welt gesehen werden wollen. Klassisch das Beispiel des ersten Flaums: Eine nicht geringe Zahl von Heranwachsenden lässt die ersten weichen Härchen über ihrer Oberlippe stehen. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie noch nicht wissen, wie man sich rasiert. Vielmehr wollen sie der Welt zeigen: "Seht her, Haare im Gesicht. Bald habe ich Geschlechtsverkehr." Oder der ungestutzte Vollbart, der hauptsächlich unter Theologiestudenten und Marx-Anhängern anzutreffen ist. Diese wollen mit ihrem wallenden, ungepflegt wirkenden Bart zeigen, wie egal ihnen doch die Mode und das Schönheitsdiktat unserer Gesellschaft sind. Der Dreitagebart entlarvt den Möchtegern-Draufgänger, der Ziegenbart den hängengebliebenen Technofreak. Doch manchmal ist die Einschätzung eines Bartträgers nicht so einfach wie in diesen Fällen. Manche Bartformen sind nämlich stärker als andere gewissen Moden unterworfen. Nehmen wir als Beispiel den Schnurrbart. In den 80er-Jahren dank Schnörres-Ikonen wie Tom Selleck oder Burt Reynolds ein Muss für jeden über 18, war er etwa ab Beginn der 90er ein absolutes Tabu. Wer sich zu dieser Zeit mit einer Rotzbremse (so nennen manche Spaßvögel diese Art von Bart) in eine angesagte Berliner oder Hamburger Kneipe wagte, hätte auch gleich seine Unterhose auf dem Kopf tragen können. Der Schnurrbart war ein k.o.-Kriterium, eine einfache Möglichkeit, zivilisierte von unzivilisierten Menschen zu unterscheiden. Das ist anders geworden. Seit einiger Zeit kann man Bärte nämlich auch "ironisch" tragen. Damit ist gemeint, dass jemand einen Tabubruch in Bartform begeht – etwa durch das Tragen eines wuchernden, Günter Grass alle Ehre machenden Schnäuzers –, das aber "mit einem Augenzwinkern". Der ironische Bartträger ist sich darüber bewusst, dass sein Bart eine Beleidigung des aktuellen Mode- und Stilempfindens darstellt und drückt mit den Haaren unter seiner Nase aus: "Ich bin so cool, dass ich sogar einen solchen Bart tragen kann, ohne mich lächerlich zu machen." In den USA sorgte der "Jackass"-Moderator Johnny Knoxville für Aufsehen, als er zu einer Preisverleihung des Senders MTV mit einem Hufeisen-Bart erschien. Dies ist eine besonders scheußliche Bartkreation, die durch den Metallica-Sänger James Hetfield zu trauriger Berühmtheit gelangte: Ein Schnurrbart plus vertikale Bartstreifen neben dem Mund bis zum Kinn. Knoxvilles Karriere nahm durch den Bart keinen Schaden – aber wohl nur, weil das Ganze nicht ernst gemeint war. Hoffen wir, dass uns der Anblick von ironischen Hitlerbärten erspart bleibt. Das rechteckige Mini-Bärtchen ist wohl die letzte Art von Gesichtsbehaarung, mit der man noch provozieren kann. Es sieht nicht nur bescheuert aus, sondern bringt seinen Träger wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit in körperliche Auseinandersetzungen mit Menschen, die das mit dem Bart gar nicht so witzig finden. Und das zu Recht.
Bärte – schon immer übten sie eine sonderbare Faszination auf mich aus. Wie Sie vielleicht schon auf meinem Bild gesehen haben, gehöre ich momentan nicht zur Fraktion der Bartträger. Doch auf theoretischer Ebene beschäftige ich mich sehr gerne mit diesem interessanten Thema. Was bringt einen Mann dazu, plötzlich einzelne Stellen seines Gesichts beim Rasieren auszulassen oder das Rasiermesser gar komplett im Schrank zu lassen, um sich der Gruppe der Vollbartträger anzuschließen? Ich habe da meine ganz eigene Theorie: Männer tragen keine Bärte, weil sie diese schön finden. Sie wollen damit etwas ausdrücken. Mehr noch als mit unserer Kleidung, unserer Körpersprache oder unserer Frisur geben wir mit unseren Bärten ein Statement ab: Darüber, wie wir uns sehen und wie wir von der Welt gesehen werden wollen. Klassisch das Beispiel des ersten Flaums: Eine nicht geringe Zahl von Heranwachsenden lässt die ersten weichen Härchen über ihrer Oberlippe stehen. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie noch nicht wissen, wie man sich rasiert. Vielmehr wollen sie der Welt zeigen: "Seht her, Haare im Gesicht. Bald habe ich Geschlechtsverkehr." Oder der ungestutzte Vollbart, der hauptsächlich unter Theologiestudenten und Marx-Anhängern anzutreffen ist. Diese wollen mit ihrem wallenden, ungepflegt wirkenden Bart zeigen, wie egal ihnen doch die Mode und das Schönheitsdiktat unserer Gesellschaft sind. Der Dreitagebart entlarvt den Möchtegern-Draufgänger, der Ziegenbart den hängengebliebenen Technofreak. Doch manchmal ist die Einschätzung eines Bartträgers nicht so einfach wie in diesen Fällen. Manche Bartformen sind nämlich stärker als andere gewissen Moden unterworfen. Nehmen wir als Beispiel den Schnurrbart. In den 80er-Jahren dank Schnörres-Ikonen wie Tom Selleck oder Burt Reynolds ein Muss für jeden über 18, war er etwa ab Beginn der 90er ein absolutes Tabu. Wer sich zu dieser Zeit mit einer Rotzbremse (so nennen manche Spaßvögel diese Art von Bart) in eine angesagte Berliner oder Hamburger Kneipe wagte, hätte auch gleich seine Unterhose auf dem Kopf tragen können. Der Schnurrbart war ein k.o.-Kriterium, eine einfache Möglichkeit, zivilisierte von unzivilisierten Menschen zu unterscheiden. Das ist anders geworden. Seit einiger Zeit kann man Bärte nämlich auch "ironisch" tragen. Damit ist gemeint, dass jemand einen Tabubruch in Bartform begeht – etwa durch das Tragen eines wuchernden, Günter Grass alle Ehre machenden Schnäuzers –, das aber "mit einem Augenzwinkern". Der ironische Bartträger ist sich darüber bewusst, dass sein Bart eine Beleidigung des aktuellen Mode- und Stilempfindens darstellt und drückt mit den Haaren unter seiner Nase aus: "Ich bin so cool, dass ich sogar einen solchen Bart tragen kann, ohne mich lächerlich zu machen." In den USA sorgte der "Jackass"-Moderator Johnny Knoxville für Aufsehen, als er zu einer Preisverleihung des Senders MTV mit einem Hufeisen-Bart erschien. Dies ist eine besonders scheußliche Bartkreation, die durch den Metallica-Sänger James Hetfield zu trauriger Berühmtheit gelangte: Ein Schnurrbart plus vertikale Bartstreifen neben dem Mund bis zum Kinn. Knoxvilles Karriere nahm durch den Bart keinen Schaden – aber wohl nur, weil das Ganze nicht ernst gemeint war. Hoffen wir, dass uns der Anblick von ironischen Hitlerbärten erspart bleibt. Das rechteckige Mini-Bärtchen ist wohl die letzte Art von Gesichtsbehaarung, mit der man noch provozieren kann. Es sieht nicht nur bescheuert aus, sondern bringt seinen Träger wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit in körperliche Auseinandersetzungen mit Menschen, die das mit dem Bart gar nicht so witzig finden. Und das zu Recht.
Donnerstag, 8. April 2010
Frühling, wo bist du?
Alle sprechen vom Frühling und ich will ihn haben - aber wo ist er? Genug von tristen grauen und regnerischen Tagen. Ich will Sonne auf der Haut spüren und sehen, wie das Leben aus seinem Winterschlaf erwacht. Kalendarisch soll ja bereits Frühling sein, langsam könnte er sich auch mal zeigen.
Ich scheine telepathische Fähigkeiten zu besitzen: Gerade noch befehle ich dem Frühling, sich endlich zu zeigen - schon steht er da. Mein autoritäres Auftreten scheint die Wettergötter stark verunsichert zu haben. Pünktlich zum heutigen Weckerklingeln kitzeln zarte Sonnenstrahlen meine vom Schlaf und von der ewigen Heizungsluft verquollenen Augen. Also es geht doch, triumphiere ich und komischerweise komme ich heute ganz federleicht aus dem Bett. Sehr zum Erstaunen von Amira, meiner Siamkatze. Meinen frühmorgendlichen Energieschub nimmt sie mit einem skeptischen Blick aus ihren blauen Augen zur Kenntnis. Dann wendet sie sich ab und sucht das Weite. Doch als ich einen Blick in den Spiegel werfe, verschwindet meine gute Laune genauso schnell, wie sie gekommen ist. Was die Frühlingssonne, die sich so unverschämt in meinem Spiegel sonnt, zu Tage bringt, gefällt mir gar nicht: Weiße, trockene Haut - ich leuchte richtiggehend - und meine Beine sehen aus, als ob ich blickdichte weiße Feinstrumpfhosen tragen würde. Und wähnte ich gestern meine Wohnung noch als sauber, weist mich das helle freundliche Licht noch so ganz nebenbei auf meine offensichtlichen Putzschwächen hin: Wo kommt plötzlich all dieser Staub her? Das ist zuviel - ich lasse die Jalousien runter und gebe mich lieber wieder der trügerischen Schummrigkeit hin. Ganz nebenbei wische ich über sämtliche Oberflächen und suche verzweifelt nach Peeling und Selbstbräuner. Frisch gepellt, gecremt und zurecht gemacht wandere ich anschließend in die Küche: Doch auch hier tut sich ein wahres Bild des Schreckens auf - zumindest nachdem sich meine Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt haben. Fenster mit Putzstreifen, kleine Fettflecken, die frech an der Wand glänzen und die Bodenfliesen sehen aus, als ob sie noch niemals mit einem Putzlappen in Berührung gekommen wären. Zudem schweift mein Blick über vier leere Schokopudding-Becher und eine halbe Tüte Chips, die gestern Nachmittag noch verschlossen im Schrank stand, - stumme Zeugen eines tristen Winterabends - zumindest gefühlt winterlich. Automatisch bewegen sich meine Augen jetzt in Richtung Problemzonen, die ja eigentlich mit den ersten Sonnenstrahlen nicht mehr existent sein sollten. Auf den ersten Blick sieht alles O.K. aus, der zweite bringt jedoch zum Vorschein, was allein durch die guten Vorsätze nicht verschwunden ist: Geschätzte 2,9 Kilogramm Lebendgewicht, verteilt auf die Körpermitte - zum Glück hinten und vorne gleichermaßen. Jetzt fange ich inständig an zu beten, dass die Außentemperatur nicht auch noch sonnig warm ist und ich mich weiterhin in meiner dicken, alles verhüllenden Jacke aus dem Haus wagen darf. Kurz raus auf den Balkon: Zum Glück, es ist immer noch kalt. Ich überschlage schnell, wieviel Zeit mir bleibt, um mein Fitness- und Schönheits-Frühlingsprogramm zu absolvieren: Mit ein wenig Glück habe ich vielleicht sogar noch vier Wochen, wenn man als Vergleichsjahr nicht unbedingt das nimmt, als schon Ende März Bikini-Temperaturen herrschten. Das könnte klappen und damit ist die Zeit der Ausreden vorbei: Sport ist angesagt - außerdem gibt es ab heute nur noch gesunde und kalorienarme Nahrung. Die halbe Tüte Chips muss also dran glauben und landet im Müll. Das ist zumindest der erste Schritt, um meine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Weiter geht es mit Sport - am besten einem, der nicht so anstrengend ist - zumindest heute, ich bin ja schon geduscht. Nordic Walking ist doch genau das richtige! Man liest ständig, dass man allein durch schnelles Gehen mächtig Kalorien abbaut und dem Herz- und Kreislaufsystem Gutes tut. Außerdem sieht man dabei auch noch gut aus und kann seine dürftige Winterschlaf-Kondition schön vertuschen - im Gegensatz zum Jogging. Gruselig die Vorstellung, keuchend und mit hochrotem Kopf durch die Gegend zu rennen. So, geplant - getan: Während ich jedoch wild entschlossen meine Outdoor-Sportausrüstung zusammensuche, wird es plötzlich dunkel in der Wohnung. Ich blicke aus dem Fenster und sehe dort, wo noch vor ein paar Minuten die Sonne lachte, dicke dunkle Wolken und die Scheiben erscheinen wie durch ein Wunder wieder lupenrein. Jetzt sollte ich mich aber beeilen, denke ich so bei mir, denn es könnte sein, dass der (Schnee)Regen der letzten Wochen wiederkehrt. Gerade als ich meine Jogginghose übergezogen habe (mit Bauch einziehen ist das noch vorzeigbar - ich liebe Kleidung aus mitdenkendem Gewebe!), höre ich ein Plätschern und ein weiterer Blick aus dem Fenster zeigt das altvertraute Bild der letzten Monate: dünne Regenwasserfäden, die einem den Blick vernebeln. Was jetzt? Ich entschließe mich abzuwarten, denn nach Wasser-Walking ist mir gar nicht. Während ich so warte, ertappe ich mich dabei, dass ich mir den Frühling erst ab morgen wünsche, dann könnte ich es mir heute noch einmal richtig gemütlich machen. Ich also rauf aufs Sofa und fange an davon zu träumen, wie Mia dann ab morgen sein wird: sportlich, dynamisch, gesund ernährt - und deshalb auch um 2,9 Kilogramm leichter - mindestens! Mit einem Lächeln im Gesicht schlummere ich ein. Ausgeruht und zufrieden wache ich auf, Amira auf dem Bauch, denn draußen regnet es immer noch. Die Jogginghose verschwindet wieder im Schrank, die Chipstüte fische ich aus dem Müll: Aber ab morgen wird alles anders - falls der Frühling kommen will!'
Ich scheine telepathische Fähigkeiten zu besitzen: Gerade noch befehle ich dem Frühling, sich endlich zu zeigen - schon steht er da. Mein autoritäres Auftreten scheint die Wettergötter stark verunsichert zu haben. Pünktlich zum heutigen Weckerklingeln kitzeln zarte Sonnenstrahlen meine vom Schlaf und von der ewigen Heizungsluft verquollenen Augen. Also es geht doch, triumphiere ich und komischerweise komme ich heute ganz federleicht aus dem Bett. Sehr zum Erstaunen von Amira, meiner Siamkatze. Meinen frühmorgendlichen Energieschub nimmt sie mit einem skeptischen Blick aus ihren blauen Augen zur Kenntnis. Dann wendet sie sich ab und sucht das Weite. Doch als ich einen Blick in den Spiegel werfe, verschwindet meine gute Laune genauso schnell, wie sie gekommen ist. Was die Frühlingssonne, die sich so unverschämt in meinem Spiegel sonnt, zu Tage bringt, gefällt mir gar nicht: Weiße, trockene Haut - ich leuchte richtiggehend - und meine Beine sehen aus, als ob ich blickdichte weiße Feinstrumpfhosen tragen würde. Und wähnte ich gestern meine Wohnung noch als sauber, weist mich das helle freundliche Licht noch so ganz nebenbei auf meine offensichtlichen Putzschwächen hin: Wo kommt plötzlich all dieser Staub her? Das ist zuviel - ich lasse die Jalousien runter und gebe mich lieber wieder der trügerischen Schummrigkeit hin. Ganz nebenbei wische ich über sämtliche Oberflächen und suche verzweifelt nach Peeling und Selbstbräuner. Frisch gepellt, gecremt und zurecht gemacht wandere ich anschließend in die Küche: Doch auch hier tut sich ein wahres Bild des Schreckens auf - zumindest nachdem sich meine Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt haben. Fenster mit Putzstreifen, kleine Fettflecken, die frech an der Wand glänzen und die Bodenfliesen sehen aus, als ob sie noch niemals mit einem Putzlappen in Berührung gekommen wären. Zudem schweift mein Blick über vier leere Schokopudding-Becher und eine halbe Tüte Chips, die gestern Nachmittag noch verschlossen im Schrank stand, - stumme Zeugen eines tristen Winterabends - zumindest gefühlt winterlich. Automatisch bewegen sich meine Augen jetzt in Richtung Problemzonen, die ja eigentlich mit den ersten Sonnenstrahlen nicht mehr existent sein sollten. Auf den ersten Blick sieht alles O.K. aus, der zweite bringt jedoch zum Vorschein, was allein durch die guten Vorsätze nicht verschwunden ist: Geschätzte 2,9 Kilogramm Lebendgewicht, verteilt auf die Körpermitte - zum Glück hinten und vorne gleichermaßen. Jetzt fange ich inständig an zu beten, dass die Außentemperatur nicht auch noch sonnig warm ist und ich mich weiterhin in meiner dicken, alles verhüllenden Jacke aus dem Haus wagen darf. Kurz raus auf den Balkon: Zum Glück, es ist immer noch kalt. Ich überschlage schnell, wieviel Zeit mir bleibt, um mein Fitness- und Schönheits-Frühlingsprogramm zu absolvieren: Mit ein wenig Glück habe ich vielleicht sogar noch vier Wochen, wenn man als Vergleichsjahr nicht unbedingt das nimmt, als schon Ende März Bikini-Temperaturen herrschten. Das könnte klappen und damit ist die Zeit der Ausreden vorbei: Sport ist angesagt - außerdem gibt es ab heute nur noch gesunde und kalorienarme Nahrung. Die halbe Tüte Chips muss also dran glauben und landet im Müll. Das ist zumindest der erste Schritt, um meine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Weiter geht es mit Sport - am besten einem, der nicht so anstrengend ist - zumindest heute, ich bin ja schon geduscht. Nordic Walking ist doch genau das richtige! Man liest ständig, dass man allein durch schnelles Gehen mächtig Kalorien abbaut und dem Herz- und Kreislaufsystem Gutes tut. Außerdem sieht man dabei auch noch gut aus und kann seine dürftige Winterschlaf-Kondition schön vertuschen - im Gegensatz zum Jogging. Gruselig die Vorstellung, keuchend und mit hochrotem Kopf durch die Gegend zu rennen. So, geplant - getan: Während ich jedoch wild entschlossen meine Outdoor-Sportausrüstung zusammensuche, wird es plötzlich dunkel in der Wohnung. Ich blicke aus dem Fenster und sehe dort, wo noch vor ein paar Minuten die Sonne lachte, dicke dunkle Wolken und die Scheiben erscheinen wie durch ein Wunder wieder lupenrein. Jetzt sollte ich mich aber beeilen, denke ich so bei mir, denn es könnte sein, dass der (Schnee)Regen der letzten Wochen wiederkehrt. Gerade als ich meine Jogginghose übergezogen habe (mit Bauch einziehen ist das noch vorzeigbar - ich liebe Kleidung aus mitdenkendem Gewebe!), höre ich ein Plätschern und ein weiterer Blick aus dem Fenster zeigt das altvertraute Bild der letzten Monate: dünne Regenwasserfäden, die einem den Blick vernebeln. Was jetzt? Ich entschließe mich abzuwarten, denn nach Wasser-Walking ist mir gar nicht. Während ich so warte, ertappe ich mich dabei, dass ich mir den Frühling erst ab morgen wünsche, dann könnte ich es mir heute noch einmal richtig gemütlich machen. Ich also rauf aufs Sofa und fange an davon zu träumen, wie Mia dann ab morgen sein wird: sportlich, dynamisch, gesund ernährt - und deshalb auch um 2,9 Kilogramm leichter - mindestens! Mit einem Lächeln im Gesicht schlummere ich ein. Ausgeruht und zufrieden wache ich auf, Amira auf dem Bauch, denn draußen regnet es immer noch. Die Jogginghose verschwindet wieder im Schrank, die Chipstüte fische ich aus dem Müll: Aber ab morgen wird alles anders - falls der Frühling kommen will!'
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