
Mia Martensen hat ein Problem: Ihr Verhältnis zum Thema körpereigene Exkremente ist mehr als gestört - nicht nur am
Welttoilettentag. Deshalb betreibt sie ganz besondere Hygiene. Dann und wann führt dies zu merkwürdigen Gesprächen.
Kürzlich war ich mit meiner Freundin Josefine in der Stadt unterwegs, bekam in der Garderobe von
H&M plötzlich wahnsinniges
Bauchgrummeln und musste deshalb unsere Shoppingtour abrupt unterbrechen. Ich gehe nämlich auf keine öffentliche Toilette – zumindest nicht, um meinen Darm zu entleeren. Josefine sagt dazu übrigens: "Abführen". Zwar widmet sich der
Welttoilettentag weniger den intimen Gepflogenheiten - aber die gehören eben auch zum Geschäft:
Ein gebleichter Hintern macht's auch nicht leichter!Und so waren wir nicht nur schneller als gedacht zurück in meiner Wohnung sondern auch bei einem von Josefines Lieblings-Themen angelangt. Sie, der seit der Geburt ihrer beiden Kinder eine klitzekleine
Hämorrhoide am After baumelt, spricht nur allzu gerne über Popohygiene und verwandte Themen. Am allerliebsten mit mir, habe ich das Gefühl. Diesmal berichtete meine Freundin mir durch die geschlossene Badtür über die Praxis des "
Anal Bleachings". Nun, vom Zähnebleichen hatte ich schon viel gehört. Von gebleichten Schließmuskelregionenen weniger. Josefine kam in Fahrt: "Das ist ein Trend aus den USA" – war ja klar – "und der wird nicht nur von Darstellern der Pornofilmszene getragen, sondern mittlerweile auch hierzulande von vielen vornehmlich hellhäutigen Menschen wie du und ich", sagte meine Freundin, während ich hinter der Tür schmerzerfüllt mein Gesicht verzog und peinlichst darauf bedacht war, meinen inneren Überdruck möglichst geräuscharm loszuwerden.
Also offen gesagt, die Farbe meines Anus "geht mir am Arsch vorbei". Auch in meinem Liebesleben, das nun wirklich nicht im Zappendustern stattfindet, spielte die Hautfarbe meiner Afteröffnung noch keine Rolle. Ebenso wenig die meiner Bettgesellen. "Josefine! – Kannst Du uns bitte einen Tee machen", versuchte ich meine beste Freundin höflich von der Badtür weg in die Küche zu bewegen. Doch auch von dort konnte ich Josefines Redeschwall deutlich empfangen. Da der Schall sicher nicht einseitig weiter getragen wird, verkrampfte ich immer mehr bei dem Versuch, meinen Durchfall leise abzuführen. Die Folge eines Traumas, die mich seit meiner nachpubertären Zeit im Internat – dort hatten wir drei Toilettenkabinen nebeneinander - begleitet …
Na, dufte!Endlich befreit von meinem Druck unternahm ich verschiedene Maßnahmen, um den den Stuhlgang begleitenden Gestank zu entsorgen. Ich entfachte per Fingerdruck eine frische Brise im Bad und öffnete das Fenster. Hoffentlich musste Josefine nicht gleich aufs Klo. Kaum zu Ende gedacht, rief sie schon: "Mia, ich muss auch mal …!" Schei… Äußerlich gefasst ließ ich sie im Türbogen an mir vorbei. Innerlich zerfleischte ich mich aus Scham über mein großes Geschäft und die immer noch im Bad davon zeugenden Geruchsspuren – die mir so sehr peinlich sind. Überhaupt alles, was mein Körper ausscheidet – ist mir unangenehm: Ich ekle mich vor Schnodder und Schweiß genauso wie vor Exkrementen.
Andere Länder - andere Sitten!Josefine öffnete gelassen und scheinbar unbeeindruckt den Klodeckel und rief mir hinterher: "… Mia, sag’ mal, warum ist eigentlich deine Klobrille immer nass, wenn du drauf warst?" – Verflucht! Ich hatte wieder vergessen, das Duschwasser wegzuwischen. Ich klärte Josefine auf. Darüber, dass ich seit einer längst vergangenen Beziehung zu einem Araber immer erst Papier und anschließend Wasser zur Reinigung meines Hinterns einsetze und damit seit Jahren erfolgreich Arschhygiene der allerfeinsten Art betreibe. Selbstredend reinige ich mich so auch nach jedem Pipimachen. "Oder glaubst du, dass dein Po allein mit Papier sauber wird?", fragte ich meine Freundin. "Gerade du solltest auf Wasser umsteigen – das erleichtert auch den Umgang mit deiner
Hämorrhoide. Wasser reinigt besser als jedes Papier und du reizt das Ding nicht so …" Josefine schaute mich verdattert an. "Pickel am Hintern habe ich kaum", fügte ich hinzu. Und: "In vielen Ländern gibt es gar kein Papier zum Putzen, zum Beispiel in muslimischen Staaten … aber auch die Finnen benutzen gerne den Wasserschlauch nach dem Toilettengang."
Josefine war inzwischen fündig geworden und zückte aus ihrer mitgeführten Handtasche ein Paket feuchtes Toilettenpapier. "Damit putze ich zum Schluss…", triumphierte sie. Ich musste ihr dann meine Technik mit der Dusche demonstrieren. Jetzt war Josefine sichtlich beeindruckt. "Und was machst Du unterwegs?" - war ihre nächste Frage. "Ich vermeide den Stuhlgang möglichst außerhalb meiner vier Klowände", antwortete ich. "Das ist reine Übungssache, ich mache das, seit ich 12 bin …", sagte ich, als sie mich lachend unterbrach: "Eine Übung, die wie heute leicht auch mal in die Hose gehen könnte!" "Außerdem", so führte ich fort, "habe ich immer eine leere Flasche dabei, die ich mit Wasser fülle, bevor ich mich im äußersten Notfall auf einem fremden Klosett niederlasse".
Wir bedauerten schließlich beide, kein Bidet zu haben. Wobei ich aus eigener Anschauung in orientalischen Ländern wusste, dass viele Menschen dieses dort eher zum Waschen der Füße anstelle ihres Allerwertesten benutzen.
"Falter, Knüller, Wickler oder Abreißer?"Josefine fragte mich als Nächstes, ob ich ein Falter, Knüller, Wickler oder Abreißer wäre. Häh? Jetzt war es an mir, verdutzt dreinzuschauen. Ach so, sie meinte meinen Umgang mit dem Klopapier. Nun, ich zähle zu den Faltern und gehöre damit zu den 80 Prozent der Deutschen, die mir dies laut Josefine gleich tun. Das heißt, wir reißen mehrere zusammenhängende Blätter ab und falten diese sorgfältig übereinander – zumeist an der dafür vorgesehen Falz – sodass ein Bündel entsteht. Deshalb legen wir Deutschen auch Wert auf festes, mehrlagiges, dickes Toilettenpapier, das aufgrund seiner Struktur beim Wischen viel Dreck wegnimmt, erzählte meine Freundin.
Die Hälfte der US-Amerikaner gehört laut Josefine dagegen zu den Knüllern: Sie formen aus ihrem relativ dünnen und schwach strukturierten Papier Kugeln und wischen sich damit sauber. Wie das gehen soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber in Amerika ist eh alles anders. Mein Finger piekte dort immer viel zu schnell durch das dünne Papier. Was das heißt, weiß jeder. Darüberhinaus schüttelt es mich noch heute, wenn ich an das viele stehende Wasser - man beachte, dass es sich dort wie hierzulande um Trinkwasser handelt - in Chicagos Klobecken denke. Nicht nur, weil man da mit dem Hintern eintaucht – oder passiert so was immer nur mir? – sondern auch wegen des jämmerlichen Anblicks, den mir mein darauf schwimmender Stuhl bei jedem Toilettengang bot.
Spülen ist nicht gleich spülen!Da lobe ich mir doch meinen heimischen Tiefspüler. Aus dem Hintern – aus dem Sinn, äh, im Siphon. Obwohl mancher ja einen Flachspüler vorzieht, weil da seltener Schmutzwasser gegen den Hintern spritzt, wenn der Stuhl hineinplumpst – eine Ursache für Pickel und ähnliche kosmetische Probleme. Die ich nicht habe, da ich ja eh mit Wasser nachputze.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, Abreißer sind eine Spezies der Falter, die Blatt für Blatt abreißen und aufeinander legen zum Wischen – sie sind – so behauptet Josefine zumindest - eher selten. Häufiger soll man dagegen auf Wickler treffen: Sie wickeln sich das Papier um die Hand und wischen dann damit ab. Neugierig frage ich all die, die das so machen: Wie bekommt Ihr das "beschissene" Papier wieder von der Hand runter?
Josefine forderte mich auf, zu schätzen, wie viele Klopapiersorten es hierzulande gibt. 20, 30, 40? Falsch, mehr als 85 wusste sie. 2004 sollen damit rund 780 Millionen Euro (ohne Aldi) umgesetzt worden sein. Ich konnte in Sachen Klopapier auch eine Zahl beitragen: 8,8 Blatt benötigt jeder Mitarbeiter der Bundeswehr täglich davon, wusste ich aus der Presse.
Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle Papierwischer in Großstädten: Derzeit entstehen Klopapier-Notdienste, die Notdürftigen Papier ins Haus liefern, zum Beispiel wenn man eine Party geplant hat und die letzte Rolle fast alle ist. Wie gut, dass ich zur Not ganz ohne Papier auskommen kann. Aber Toilettenpapier soll ja längst auch probates Abwischmittel für empfindliche Schnupfnasen geworden sein.
Bis bald, Eure Mia.
PS: Mama rief gerade an, um mir zu erzählen, dass sie in einer ihrer Zeitschriften, ich glaub' sie sagte "Das Neue", gelesen hätte, dass sich eine ganze Reihe Leute aus der Model- und Showbiz-Branche - darunter die US-Schauspielerin
Sandra Bullock - Hämorrhoiden-Salbe ins Gesicht schmieren - wegen der Wirkung gegen Tränensäcke. Ich habe gleich mal einen Blick ins Internet geworfen: Anja Kruse, deutsche Schauspielerin, soll sich demnach in der BILD auch schon dazu bekannt haben. Wegen der blutgefäßverengenden Wirkung der Inhaltsstoffe soll der Geheimtipp auch funktionieren. Ich sage nur: Wenn Sie schon so etwas tun, achten Sie bitte auf die Zutaten der Salbe! Kortison macht die Haut dünn! Dann sieht man Äderchen beispielsweise stärker!