Dienstag, 16. März 2010

Meine ganz persönliche Twilight-Zone

Ich gebe es zu: Ich bin ein Vampir. Und ich sehe auch aus wie einer: Zumindest jeden Morgen nach dem Aufstehen, ungewaschen, ungeschminkt. Je unausgeschlafener ich aus welchen Gründen auch immer ich bin, desto dunkler sind am darauffolgenden Tag meine Augenringe. Edward, Bella & Co. lassen grüßen, Mia: Willkommen in deiner ganz persönlichen Twilight-Zone!

Ich hatte es seit langem beobachtet und musste zu meinem innigsten Bedauern feststellen, dass sich alle meine Befürchtungen diesbezüglich bewahrheitet haben: Mama hat mir ihre Anlage zu Augenringen vererbt. Allerdings ohne mir ihren kaschierenden, stets leicht sonnengebräunt wirkenden Teint mitzugeben. Nein, ich habe die milchige Haut mit Blaurotstich meines in jugendlichen Jahren schwarzhaarigen Vaters geerbt – und diese in Kombination mit Mamas Augenringen lässt mich allmorgendlich als Vampir auf(er)stehen. Meine Augenringe seien, so meine Kosmetikerin, chronisch, da vererbt, und nicht krankheitsbedingt oder herrührend von einem ungesunden Lebenswandel. Und deshalb muss ich damit wohl oder übel leben. Hah! Das wollte ich nicht glauben.

Auf der Suche nach Mitteln, die Augenringe Morgen für Morgen aufs Neue wieder loszuwerden, habe ich bereits einiges ausprobiert. Zunächst einmal bin ich für eine ganze Weile pünktlich ins Bett gegangen. Das hat viel bewirkt. Augentechnisch gesehen allerdings fast gar nichts. Meine Freunde dachten jedoch, ich sei spurlos verschwunden – wegen des Telefons, des Handys und auch wegen der Türklingel, die ich während dieser Zeit allesamt nicht gehört haben soll. Nun gut, allein ausreichender Schlaf verhalf mir jedenfalls nicht zu einem weniger toten Aussehen. Nur zu weniger Freunden.

Sauerstoff helfe gegen Augenringe, sagen Experten. Also schlief ich einige Wochen bei offenem Fenster und nahm plötzlich ungewollt am regen Leben und Liebesleben meiner Nachbarn teil. Zumindest derer, die wie ich bei geöffnetem Fenster schlafen – schlafen und lieben, schlafen und hassen, schlafen und wieder lieben und wieder hassen. Welche Wirkung das nächtliche Treiben auf das Aussehen meiner Nachbarn hat, kann ich jedoch nicht feststellen, da ich mich ob der nachts vernommenen Geräusche noch bis heute vehement weigere, auch nur in eines der Gesichter meiner Nachbarn zu schauen, wenn ich ihnen im Treppenhaus begegne. Könnte ja sein, dass ich rot werde. Allein ein geöffnetes Fenster des Nachts lässt meine Augenringe also auch nicht verschwinden. Verschwunden sind dafür die letzten Kontakte zu den Nachbarn.

Was wäre denn, wenn ich die Sauerstoffzufuhr erhöhte, fragte ich mich als Nächstes? Schließlich erschien mir die Theorie, dass Augenringe entstehen, weil die klitzekleinen Kapillaren unter den Augen nur sauerstoffarmes Blut (blaues Blut) transportieren, recht schlüssig. Beispielsweise, indem ich mich mehr draußen aufhielte? Aber ehrlich, wann bitte soll ich bei meinem gefüllten Tagesablauf noch munter Frischluft tanken? Der Job lässt mir kaum Freizeit – und falls doch bin ich viel unterwegs, Friseur, Kosmetikerin, professionelle Zahnreinigung, Hand- und Fußpflege, Shoppen. Hinzu kommen die Treffen mit Mama, Freunden und Kollegen. Da fällt mir ein: Eine Gesichtsmassage könnte die Mikrozirkulation in den feinen Kapillaren, die wegen des Sauerstoffmangels bläulich unter der dünnen Haut unterm Auge durchscheinen und so für die Augenringe sorgen sollen, anregen. Aber nein: blöde Idee! Wer schafft es schon, jeden Morgen eine Massage zu machen? Ich jedenfalls nicht.

Auch die Idee, mir jeden Morgen einen grünen Tee zu kochen, um die Teebeutel auf die Augen zu legen, weil die wegen der im Tee enthaltenen Gerbsäure für eine strahlendere Augenpartie sorgen sollen, ging bei mir nach hinten los: Jeden Morgen trank ich den heißen Tee und fragte mich, warum ich die Teebeutel nicht längst in den Müll geworfen hatte. Immer erst in der Sekunde, in der ich dies nachholte, fiel es mir jeden Morgen wieder ein. Ich wollte die erkalteten Säckchen doch auf die Augen legen!

Von den kostenlosen (Schlaf, Sauerstoff) über die leicht bezahlbaren (Teebeutel) kam ich zu den schwer bezahlbaren Mittelchen gegen Augenringe: Gele, Cremes und Wässerchen aus der Kosmetikabteilung meines Vertrauens. Allerdings missbrauchten die ratgebenden Damen dort dieses, mein Vertrauen, schändlich. Ich war am Ende um einiges ärmer, hatte immer noch Augenringe und jede Menge Erfahrung in Sachen unwirksamer Kosmetika gegen Augenringe.

Wie ich heute zu meinen Augenringen stehe? Nun, ich stehe trage sie mit Würde! Ich kaschiere sie notfalls auch schon mal mit Concealer (immer eine Farbnuance heller als die eigene Hautpartie!), den ich mir nach dem Scheitern von Gelen, Cremes & Co. natürlich wieder aus meiner Lieblingsparfümerie geholt habe, ja, ich bekenne mich als echter Fan von Bella Swan und Edward Cullen zu meinem irdischen Vampirdasein und freue mich, dass ich nicht verwandt mit Bellas anderer großer Liebe Jacob Black aus der Twilight-Saga bin: Dann hätte ich jeden Morgen einen Bart im Gesicht! Denn die Blacks sind schließlich fellige Werwölfe.

Bis bald, Eure Mia Martensen.

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