Freitag, 18. September 2009

Weil ich ein Mädchen bin!


Der gestrige Tag brachte mir eine neue Erkenntnis bezüglich dessen, was es heißt, Frau zu sein. Doch ich erzähle am besten der Reihe nach, wie es dazu kam. Ich ging nach der Arbeit noch schnell zu meinem Budni. Für alle Unwissenden: "Budni" nennen wir Hamburger unsere blaue Drogeriekette Iwan Budnikowsky. Ich brauchte neue Rasierklingen. Ich gehöre nämlich zu den Frauen, die sich mit der klassischen Nassrasur von ungeliebten Härchen an Achseln, Armen, Beinen und Bikinizone trennen. Josefine, meine beste Freundin, hatte mich aus meinem Homeoffice abgeholt und begleitete mich. Wir wollten uns anschließend einen netten Mädchenabend bei ihr machen. Jo rasiert sich nicht, oder besser: nicht mehr. Sie geht neuerdings in ein Hamam (Orientalisches Bad) und lässt sich dort alle vier Wochen die Haare mit einer Zuckerpaste entfernen. Allein die Vorstellung davon tut mir weh. Nein, das ist nichts für mich.

Zielstrebig ging ich zu dem Budni-Regal mit den Rasurzutaten und griff nach dem 3er-Pack meiner Klingenmarke (Wilkinson Quattro). Der Preis: 7,49 Euro (Das macht pro Klinge 2,49 Euro.). Jo sah mich erstaunt an und stellte mir die Frage des Tages: "Warum nimmst du keinen Rasierer für Männer?"

Ich kenne Jo ziemlich gut. Ihre Frage kam nicht von ungefähr. Also klappte ich meinen Mund, den ich für die schnippische Antwort ‚Weil ich ein Mädchen bin!’ bereits geöffnet hatte, schnell wieder zu. Jo bemerkte mein Zaudern trotzdem und freute sich offensichtlich, mich gleich in ein kosmetisches Geheimnis einweihen zu können. Ich schaute meine Freundin wissbegierig an. Und sie legte wie erwartet los: "Hier sieh mal! Rasierapparate für Männer sind meist nicht nur billiger als die für Frauen - egal ob Einweg- oder Mehrwegteile - auch die zugehörigen Klingen kosten oft weniger! Und bitte, komm mir jetzt nicht mit dem feinen Unterschied… Wenn ein Mann sein Gesicht damit rasiert, wirst du deine Beine damit doch wohl glatt bekommen, oder?" Beifallheischend wartete Jo auf meine Reaktion.

Und wie ich reagierte! Ungläubig schaute ich zuerst meine praktische Freundin Josefine an, dann das Angebot für Herren: Und siehe da - es gibt dort eine viel größere Auswahl an Apparaten und Klingen. Klar, die Gesichtsrasur ist eines der wichtigsten Pflegerituale fürs andere Geschlecht. Das hatte ich nicht anders erwartet. Acht Klingen "Wilkinson Quattro" kosten den Herren 16,99 Euro (Das macht pro Klinge 2,12 Euro.). Mann zahlt pro Klinge also 37 Cent weniger als ich! Die Hersteller stimmen bei Mann und Frau großenteils überein. Ein Punkt, der das Ganze nur noch schlimmer macht, wie ich finde.

Doch Jo war noch nicht fertig: "Welchen Rasierschaum benutzt du denn?" Mein Arm zuckte kurz in Richtung der Damenschäume "Dachte ich mir", kommentierte Jo meine halbherzige Bewegung, "du markengeile Ignorantin!" Also das saß. Zugegeben, ich liebe Markenprodukte, insbesondere bei Naturkosmetik, ich halte stets Ausschau nach angesagten Labels – aber das ist doch auch mein Job! Schließlich bin ich Beautyredakteurin! Da muss ich stets en vogue sein.

Doch Josefine kannte gestern keine Gnade. Sie führte mich von den Rasierschäumen fort. Allerdings nicht, ohne mir noch die für Herren zu zeigen und zu bemerken, dass manche Hersteller auch da einen geschlechterspezifischen Unterschied machen: "Die Herrenprodukte sind zwar mit demselben Preis wie das entsprechende Damenprodukt ausgezeichnet, aber die Inhalte unterscheiden sich! Guck mal!" Und ich guckte! Mit schnellem Blick – jetzt wusste ich ja, worauf es ankam - erhaschte ich Unterschiede wie Balea Rasiergel sensitiv für ihn: 200 Milliliter; für sie: 150 Milliliter, je 1,49 Euro.

Mein kleinlautes "Aber…" walzte Josefine mit dem Satz "Der Duft der Männerprodukte sei auch nicht zu verachten." nieder. Sie zog mich zur Abteilung "Körperpflege" und wies triumphierend auf die meterlangen Regale mit den Duschgelen. Josefine hatte Recht. Auch dort zeigte sich ein Unterschied (Balea Bath Mohnblüte, Wasserlilie und andere: 0,89 Euro, Balea Bath Kanada, Alaska: 0,69 Euro).

Nachdenklich wanderte ich von Regal zu Regal, packte eins, zwei, drei Tafeln Lindt-Weihnachtsschokolade in meinen Korb ein – und mein Klingenpäckchen wieder aus. Stattdessen kaufte ich mir einen Rasierer aus männlich schimmerndem Blaustahl und auch die passenden Klingen. Meinen rosaweißen Ladyrasierer warf ich – obwohl sehr spät in der Nacht erst zuhause angekommen - in den Müll. Zugegeben, nicht ohne vorher zu testen, ob die Herrenklingen passen. In meinem Fall passten sie nicht. Das wäre denn doch zuviel gewesen.

Bei Schokolade und Kerzenschein diskutierten Josefine und ich das Thema noch bis in den späten Abend. Fakt ist laut Statistischem Bundesamt, dass alleinlebende Frauen wie ich sehr viel mehr Geld für Shampoo & Co. ausgeben als männliche Singles. Allerdings bleibt unklar, wie viele Produkte sie und er dafür jeweils erstehen.

Irgendwann haben wir uns anderen Themen zugewandt. Ich fasste den Vorsatz, künftig öfter mal an Duschgelen für Männer zu schnuppern und bei Gefallen das teurere für Damen stehen zu lassen. Diese Freiheit nehme ich mir – weil ich ein Mädchen bin!

Bis bald, Eure Mia.

PS: Woher Josefine von den geschlechterspezifischen Preisunterschieden weiß? Sie ist verheiratet!

DMAX – ich liebe dich!


In meiner Kindheit und Jugend habe ich sehr viel ferngesehen. Ich wuchs in dem festen Glauben auf, dass bei Kreuzfahrten immer etwas total Lustiges passiert (wegen "Love Boat"), dass in Palermo schwarze Küken mit Eierschale auf dem Kopf herumlaufen (wegen "Calimero") und dass merkwürdige Männer mit komischen Hüten, die sich auf der Straße an Kinder ranmachen, absolut vertrauenswürdig sind (wegen "Pan Tau"). Seit ich erwachsen bin hat mein Fernsehkonsum rapide abgenommen, und heute locken mich eigentlich nur noch Jack Bauer und die Bundesliga vor die Kiste. Vor kurzem geschah jedoch etwas, das mir den Glauben an das Medium Fernsehen zurückgab.

Als ich mich Mitte September mit Grippe und quälenden Halsschmerzen im Bett wiederfand, wurde mir schmerzlich vor Augen geführt, wie schlecht das Fernsehprogramm hierzulande doch ist. Auf allen Kanälen das Gleiche: Kochsendungen mit austauschbaren, pseudocoolen Jamie-Oliver-Epigonen, Gerichtsshows mit Laiendarstellern, die kein Schülertheater auf die Bühne lassen würde und Call-in-Sendungen - dieser traurige Gipfel der Zuschauerausbeutung. Als ich gerade kurz davor war, die Fernbedienung an die Wand zu schmeißen, erblickte ich beim Zappen etwas, das mich innehalten ließ: einen Bagger. Und zwar war das nicht nur ein handelsüblicher Bagger mit normalen Proportionen, sondern ein gigantisches, vielleicht zehn Meter hohes Gerät – quasi die Mutter aller Bagger! Der von mir sehr geschätzte Schauspieler Jürgen Vogel trat ins Bild und erzählte etwas über dieses Prachtstück bundesdeutscher Maschinenbaukunst. Per eilig aktiviertem Videotext erfuhr ich den Namen der Sendung: "Fat Machines". Ich war mir vorher gar nicht darüber bewusst, dass meine Faszination für Bagger seit meiner Sandkastenzeit immer noch ungebrochen war. Die folgenden 20 Minuten vergingen wie im Flug, und die Halsschmerzen waren vergessen. Ich schwor dem Sender, der mir in dieser schweren Stunde das Leben erleichterte, die Treue – so wurde ich zum Jünger von DMAX.

Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit ich DMAX einschalte – es läuft immer etwas, das mich interessiert. Denn mal ganz im Ernst: Gibt es für Männer etwas Besseres als ein Programm, das sich ausschließlich um Themen wie Motorräder, Kopfgeldjäger, Frauen aufreißen und Tätowieren dreht? Man könnte argumentieren, dass der selbst ernannte Männersender DMAX mit seinem intellektuell nicht gerade anspruchsvollen Programm ein ganz schlechtes Bild auf die Männer sowie deren Bedürfnisse und Vorlieben wirft. Doch wer sich über so etwas aufregt, hat wohl noch nie "Die Ludolfs" gesehen – eine Sendung, in der die Essenz des Senders enthalten ist wie in keiner anderen. "Die Ludolfs" erzählt von den titelgebenden Brüdern, die gemeinsam einen Schrottplatz betreiben. Dies ist DMAX auf seinem Höhepunkt: Beim Ansehen wird man wieder zum kleinen Jungen und verfolgt staunend das Treiben dieser seltsamen Kerle, die die ganze Zeit nichts anderes tun, als über ihren Schrottplatz zu krauchen. Romantik pur!

Heute Nacht wachte ich schweißgebadet auf. Ich hatte von TM3 geträumt, jenem Frauen-Fernsehsender der 90er, der mit Mode- und Schminkshows aufwartete. Das Konzept war damals nicht aufgegangen, TM3 zeigte eine Saison lang die Champions League und wurde schließlich in 9Live umbenannt – der Rest ist Geschichte. Was ist, wenn DMAX irgendwann das gleiche Schicksal ereilt und ich eines Tages auf dem Programmplatz des Senders statt Tätowierern und Auto-Tunern plötzlich Jürgen von "Big Brother" sehe, der auf der Suche nach einem Tier mit "S" ist? Ein Gedanke, den ich am Besten schnell wieder verdränge. DMAX – ich liebe dich!