Freitag, 18. September 2009

DMAX – ich liebe dich!


In meiner Kindheit und Jugend habe ich sehr viel ferngesehen. Ich wuchs in dem festen Glauben auf, dass bei Kreuzfahrten immer etwas total Lustiges passiert (wegen "Love Boat"), dass in Palermo schwarze Küken mit Eierschale auf dem Kopf herumlaufen (wegen "Calimero") und dass merkwürdige Männer mit komischen Hüten, die sich auf der Straße an Kinder ranmachen, absolut vertrauenswürdig sind (wegen "Pan Tau"). Seit ich erwachsen bin hat mein Fernsehkonsum rapide abgenommen, und heute locken mich eigentlich nur noch Jack Bauer und die Bundesliga vor die Kiste. Vor kurzem geschah jedoch etwas, das mir den Glauben an das Medium Fernsehen zurückgab.

Als ich mich Mitte September mit Grippe und quälenden Halsschmerzen im Bett wiederfand, wurde mir schmerzlich vor Augen geführt, wie schlecht das Fernsehprogramm hierzulande doch ist. Auf allen Kanälen das Gleiche: Kochsendungen mit austauschbaren, pseudocoolen Jamie-Oliver-Epigonen, Gerichtsshows mit Laiendarstellern, die kein Schülertheater auf die Bühne lassen würde und Call-in-Sendungen - dieser traurige Gipfel der Zuschauerausbeutung. Als ich gerade kurz davor war, die Fernbedienung an die Wand zu schmeißen, erblickte ich beim Zappen etwas, das mich innehalten ließ: einen Bagger. Und zwar war das nicht nur ein handelsüblicher Bagger mit normalen Proportionen, sondern ein gigantisches, vielleicht zehn Meter hohes Gerät – quasi die Mutter aller Bagger! Der von mir sehr geschätzte Schauspieler Jürgen Vogel trat ins Bild und erzählte etwas über dieses Prachtstück bundesdeutscher Maschinenbaukunst. Per eilig aktiviertem Videotext erfuhr ich den Namen der Sendung: "Fat Machines". Ich war mir vorher gar nicht darüber bewusst, dass meine Faszination für Bagger seit meiner Sandkastenzeit immer noch ungebrochen war. Die folgenden 20 Minuten vergingen wie im Flug, und die Halsschmerzen waren vergessen. Ich schwor dem Sender, der mir in dieser schweren Stunde das Leben erleichterte, die Treue – so wurde ich zum Jünger von DMAX.

Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit ich DMAX einschalte – es läuft immer etwas, das mich interessiert. Denn mal ganz im Ernst: Gibt es für Männer etwas Besseres als ein Programm, das sich ausschließlich um Themen wie Motorräder, Kopfgeldjäger, Frauen aufreißen und Tätowieren dreht? Man könnte argumentieren, dass der selbst ernannte Männersender DMAX mit seinem intellektuell nicht gerade anspruchsvollen Programm ein ganz schlechtes Bild auf die Männer sowie deren Bedürfnisse und Vorlieben wirft. Doch wer sich über so etwas aufregt, hat wohl noch nie "Die Ludolfs" gesehen – eine Sendung, in der die Essenz des Senders enthalten ist wie in keiner anderen. "Die Ludolfs" erzählt von den titelgebenden Brüdern, die gemeinsam einen Schrottplatz betreiben. Dies ist DMAX auf seinem Höhepunkt: Beim Ansehen wird man wieder zum kleinen Jungen und verfolgt staunend das Treiben dieser seltsamen Kerle, die die ganze Zeit nichts anderes tun, als über ihren Schrottplatz zu krauchen. Romantik pur!

Heute Nacht wachte ich schweißgebadet auf. Ich hatte von TM3 geträumt, jenem Frauen-Fernsehsender der 90er, der mit Mode- und Schminkshows aufwartete. Das Konzept war damals nicht aufgegangen, TM3 zeigte eine Saison lang die Champions League und wurde schließlich in 9Live umbenannt – der Rest ist Geschichte. Was ist, wenn DMAX irgendwann das gleiche Schicksal ereilt und ich eines Tages auf dem Programmplatz des Senders statt Tätowierern und Auto-Tunern plötzlich Jürgen von "Big Brother" sehe, der auf der Suche nach einem Tier mit "S" ist? Ein Gedanke, den ich am Besten schnell wieder verdränge. DMAX – ich liebe dich!

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